Bocholt verliert bei der Dynamik, Rees und Isselburg profitieren vom Zuzug

Unternehmerverband legt Detailanalyse des IW-Kommunalrankings für die Städte Bocholt, Rhede, Isselburg, Rees und Emmerich vor

Der Unternehmerverband hat ein aktuelles Kommunalranking des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für die Städte Bocholt, Rhede, Isselburg, Rees und Emmerich ausgewertet. Zunächst einmal zeigt es, dass der Regierungsbezirk Münster besonders stark ist: 19 Kommunen gehören zu den Top-50-Kommunen in NRW. Hauptgründe sind die hohe Arbeitsplatzversorgung, die starken Branchen Industrie und Maschinenbau, die mittelständische Wirtschaftsstruktur mit wettbewerbsfähigen und innovativen Unternehmen sowie eine ausgeprägte interkommunale Zusammenarbeit.

In den einzelnen Städten zeigen sich allerdings starke Unterschiede. Spitzenreiter der fünf hiesigen Städte ist Bocholt, das bei der Betrachtung der aktuellen Situation (Niveau-Ranking) Platz 173 von 396 NRW-Kommunen erreicht (s. Kasten). Die schlechte Nachricht: Im Dynamik-Ranking, das die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre spiegelt, liegt die Stadt nur auf Platz 298 – die Tendenz ist also negativ. Zwei Nachbarstädte weisen die genau entgegengesetzte Entwicklung auf: Rees liegt beim Niveau zwar „nur“ auf Platz 280, landet im Dynamikranking aber auf einem sehr guten Platz 32; Isselburg entwickelt sich ähnlich dynamisch (Niveau 229 / Dynamik 66). Während Rhede (238/231) stagniert, weist das am schlechtesten platzierte Emmerich eine positiv-dynamische Tendenz auf (338 / 209).

„Natürlich kann man solche Rankings beiseiteschieben, weil jede Stadt ihre ganz spezifischen Rahmenbedingungen hat. Oder man nutzt solche Vergleiche, um die Stellschrauben zu identifizieren, an denen man als Kommune selbst drehen kann. Genau das haben die prosperierenden Städte und Gemeinden ja schon getan“, sagt Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes. Die Arbeitgeberorganisation legt für das Verbandsgebiet, das sich auf Teile des Kreises Borken und Kleve (rechtsrheinisch) erstreckt, die Detail-Analyse des IW-Kommunalrankings online vor: www.unternehmerverband.org/kommunalwahl-bor-kle

Warum Bocholt im Dynamik-Ranking so schlecht abschneidet, erläutert Jennifer Middelkamp von der Regionalgeschäftsführung des Unternehmerverbandes: „Erster Hauptgrund ist die Gewerbesteuererhöhung auf einen Hebesatz von 458 Prozent. Sie fiel damit im Vergleich zu Rees (417) deutlich stärker aus.“ Zweiter Grund sind so genannte „Wanderungen“, also der Saldo aus Fort- und Zuzügen je 1.000 Einwohner. „Insbesondere in der wichtigen Gruppe der 30- bis 50-Jährigen, das ist die Hauptgruppe der Erwerbstätigen, hat Bocholt einen negativen Saldo von -2,3.“ Wesentlich mehr Zu- als Fortzüge verzeichnen hingegen Isselburg (Saldo 16), Rees (15) und Emmerich (12,4), die hier überdurchschnittlich (NRW 3,0) punkten. Den Trend, dass immer mehr Menschen aus Bocholt fortziehen, während Isselburg und Rees von einem gestiegenen Zuzug profitieren, bestätigt der Wanderungssaldo aller Einwohner je 1.000: Bocholt -3,0, Isselburg +8,7, Rees +3,7.

Vor der anstehenden NRW-Kommunalwahl zeigt ein Blick auf vergleichbar ländliche Städte in NRW, dass wirtschaftspolitische Maßnahmen Wirkung zeigen. Oelde (Kreis Warendorf, 30.000 Einwohner) ist mit Platz 8 im Niveauranking die bestplatzierte Kommune aus dem Regierungsbezirk Münster. Die Stadt punktet mit sehr guter Arbeitsplatzversorgung und zahlreichen neu ausgewiesenen Gewerbeflächen, z. B. auch in einem interkommunalen Gewerbegebiet, für das die kooperierenden Städte Oelde, Rheda-Wiedenbrück und Herzebrock-Clarholz eigens einen Autobahnanschluss gebaut haben. Im Dynamik-Ranking macht Schöppingen (Kreis Borken, 8.400 Einwohner) mit Platz 2 von sich reden. Ein wichtiger Grund für die gute Platzierung ist die überdurchschnittliche Beschäftigungsrate von Frauen, heute ein wichtiger Faktor bei der Fachkräftesicherung. „Und Unternehmen aus Schöppingen, Münster und Gescher haben eine Plattform gegründet, auf der Coworking-Plätze in der Region vermittelt werden“, berichtet Middelkamp von einer weiteren Idee für Prosperität.

Kommunen in dieser Region müssen sich nicht die Stadt Monheim, die im Ranking Platz 1 belegt, zum Vorbild nehmen. Die Stadt am Rhein hat mit vielen Flächen und einem niedrigen Gewerbesteuersatz von 250 zwar einen Boom erlebt, aber auch viel Kritik in Sachen Solidarität geerntet. „Man kann es auf eine einfach Gleichung herunterbrechen: Mehr Unternehmen = mehr Arbeitsplätze = mehr Einnahmen durch Gewerbe- und Einkommenssteuern = mehr Gestaltungsspielraum für Städte“, konstatiert Middelkamp. Wolfgang Schmitz ergänzt, was die Pandemie und die damit ausgelöste wirtschaftlich schwierige Zeit deutlich gezeigt haben: „Corona gefährdet unseren Wohlstand. Wenn Unternehmen, Geschäfte und Gastronomie schließen, leiden alle darunter. Und das gilt auch dann, wenn unsere Städte wirtschaftlich abgehängt werden.“

Die Ergebnisse im Detail:

Wirtschaft (Breitband, Gewerbesteuer, Steuerkraft, Patente)
Bocholt punktet bei der Steuerkraft pro Einwohner und liegt mit 960 Euro weit vor den Nachbarkommunen und auch über dem Durchschnitt in NRW (938 Euro). Relativ schwach ist die gesamte Region bei den Patentanmeldungen, die meisten verzeichnet Isselburg mit 76,9 pro 1.000 Betriebe (NRW-Schnitt: 126). Die Breitbandverfügbarkeit in Rees (Versorgungsrate von 54 im Vergleich zu NRW mit 82) ist sehr schlecht; die Stadt punktet aber mit einem niedrigen Gewerbesteuerhebesatz von 417.

Arbeiten (Arbeitsplatzversorgung, Beschäftigungsrate von Frauen, Wanderung)
Bis auf Emmerich schneiden alle Städte überdurchschnittlich in der Arbeitsplatzversorgung ab – das kann man auch an den guten Arbeitsmarktzahlen hier in der Region ablesen bzw. im Umkehrschluss an den Herausforderungen der hier ansässigen Unternehmen, Fachkräfte für sich zu gewinnen. Gleiches gilt für die Beschäftigungsrate von Frauen – inzwischen ein wichtiger Indikator. Bis auf Emmerich schneiden auch hier alle überdurchschnittlich ab.

Wohnen (Baugenehmigungen, Wohnungsneubau, Wohnfläche und privates Breitband)
Bocholt, Emmerich und Rhede liegen bei den Baugenehmigungen weit vorne, Spitzenreiter beim Wohnungsneubau ist Rhede mit 11,9 Wohnungsfertigstellungen je 1.000 Bestandswohnungen. Insgesamt sind die Wohnflächen in diesen Städten größer als im Durchschnitt, währenddessen die private Breitbandversorgung durchgehend unterdurchschnittlich ist.

Leben (Kaufkraft, Wanderung, Altersquotient, Fahrtzeit zur Autobahn, naturnahe Flächen, Artpraxen-Dichte)
Die Kaufkraft ist in Rhede mit 99,3 (Deutschland = 100) am höchsten, somit steht hier jedem Einwohner für Konsumwecke am meisten Geld zur Verfügung. Emmerich liegt mit 80,9 weitaus niedriger. Betrachtet man die Wanderungen aller Einwohner, also Zuzüge minus Fortzüge, scheinen Isselburg (8,7) und Rees (3,7) gerade sehr attraktiv; Bocholt (-3,0) und Rhede (-2,4) weniger. Beim Altersquotienten liegt Rhede genau im NRW-Schnitt, alle anderen Nachbarstädte sind älter. Aus Rhede und Bocholt braucht man am längsten bis zur Autobahn, in Isselburg mit 3,2 Minuten am kürzesten. Und bei der Arzt-Praxen-Dichte schneidet nur Bocholt mit 2,0 je 1.000 Einwohner überdurchschnittlich ab. Abgeschlagen sind Rhede (1,1), Isselburg (1,2) und Rees (1,2).

Kasten
Beim Kommunalranking für alle 396 Kommunen in NRW wurden 17 Indikatoren aus den vier Themenbereichen Wirtschaft, Arbeiten, Wohnen und Lebensqualität erhoben und im Rahmen eines Niveau-Rankings zusammengefasst. Im Rahmen eines Dynamik-Rankings wurde zudem die Entwicklung von 12 Indikatoren in den vergangenen drei bis fünf Jahren näher in den Blick genommen, um die Entwicklung der letzten Jahre in den Kommunen beurteilen zu können.Quelle: www.iwconsult.de/aktuelles/projekte/kommunalranking-nrw-2020

 

 

Rang Niveau
(von 396 NRW-Kommunen)

Rang Dynamik
(von 396 NRW-Kommunen)

Monheim am Rhein

 

1

12

Oelde

 

8

30

Schöppingen

 

41

2

Bocholt

 

173

298

Isselburg

 

229

66

Rhede          

 

248

231

Rees

 

280

32

Emmerich

 

338

209

 

Über den Unternehmerverband
Die Unternehmerverbandsgruppe ist einer der größten Arbeitgeberverbände in Nordrhein-Westfalen. Den sieben Einzelverbänden gehören bundesweit über 700 Mitgliedsunternehmen mit rund 100.000 Beschäftigten an.
Die Gruppe vertritt die Interessen der Arbeitgeber und bietet umfassende Expertise im Arbeits- und Sozialrecht, der Gestaltung von Arbeitsbedingungen mit und ohne Tarifbindung sowie der Arbeitswirtschaft. Die Verbände sind Stimme der Unternehmer in der Rhein-Ruhr-Region und ihren Branchen, sie setzen sich für den Wirtschaftsstandort ein und bieten ein starkes Netzwerk.
Der Sitz des Unternehmerverbandes ist das HAUS DER UNTERNEHMER in Duisburg. Das Kern-Verbandsgebiet reicht vom westlichen Ruhrgebiet rechtsrheinisch über den Niederrhein bis hin zur niederländischen Grenze. Drei der Einzelverbände sind bundesweit aktiv.

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, betont: „Corona gefährdet unseren Wohlstand. Wenn Unternehmen, Geschäfte und Gastronomie schließen, leiden alle darunter. Und das gilt auch dann, wenn unsere Städte wirtschaftlich abgehängt werden.“
Jennifer Middelkamp von der Regionalgeschäftsführung des Unternehmerverbandes in den Kreisen Borken und Kleve macht diese Rechnung für prosperierende Städte auf: „Mehr Unternehmen = mehr Arbeitsplätze = mehr Einnahmen durch Gewerbe- und Einkommenssteuern = mehr Gestaltungsspielraum für Städte."

Ansprechpartner

Christian Kleff

Geschäftsführer "Wirtschaft für Duisburg" und Leiter Kommunikation und Marketing

Telefon: 0203 99367-225

E-Mail:kleff(at)unternehmerverband(dot)org

Jennifer Middelkamp

Regionalgeschäftsführung Kreise Borken / Kleve und Pressesprecherin

Telefon: 0203 99367-223

E-Mail:middelkamp(at)unternehmerverband(dot)org

Geraldine Klan

Referentin

Telefon: 0203 99367-224

E-Mail:klan(at)unternehmerverband(dot)org

Sonja Kochem

Mitarbeiterin Marketing und Kommunikation

Telefon: 0203 99367-205

E-Mail:kochem(at)unternehmerverband(dot)org