Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie

Kurz-Interview mit Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes

Die IG Metall führt seit vergangenem Samstag Warnstreiks durch. Wie stark sind die Unternehmen davon getroffen?
Wolfgang Schmitz: „Jeder Warnstreik belastet natürlich die Unternehmen, das ist ganz klar. Und aus unserer Sicht sind die Streiks in der aktuellen Situation nicht nachvollziehbar. Sie ignorieren den Ernst der Lage und verzögern die Lösungsfindung. Wir haben ein faires Angebot vorgelegt, das den Unternehmen schnell und langfristig Planungssicherheit verschaffen würde. Nun muss die IG Metall zeigen, dass sie am Verhandlungstisch zu tragfähigen Lösungen bereit ist. Die Beschäftigten kennen selbst die angespannte Lage in den Betrieben und wissen um den Druck auf die Arbeitsplätze.“
 

Wie ist denn die wirtschaftliche Lage in den Betrieben in der Region?
Wolfgang Schmitz: „Die wirtschaftliche Lage ist sehr unterschiedlich, deshalb werben wir bei unserem Angebot ja auch für eine Differenzierung, die dies berücksichtigt. Grundsätzlich befinden wir uns aber in schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Viele Betriebe tragen noch die Lasten aus der Corona-Krise. Die weltweiten Lieferketten von Rohstoffen und Vorprodukten sind immer noch gestört und werden dies auch auf absehbare Zeit bleiben. Darauf kommen nun die exorbitant hohen Energiepreise. Die Unternehmen machen sich große Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit. Eine Umfrage unseres Dachverbandes hat jüngst noch einmal ergeben, dass ein sehr großer Teil der Betriebe mit Gewinn- und Auftragsrückgängen rechnet und nicht wenige sogar existenziell betroffen sind.“
 

Haben Sie Verständnis, wenn Gewerkschaften bei den Streiks kritisieren, dass für die Beschäftigten im Alltag sehr vieles teurer werde, die Gehälter aber nicht stiegen?
Wolfgang Schmitz: „Wir haben immer betont, dass wir angesichts der exorbitanten Preissteigerungen insbesondere für Energie Verständnis für die Sorgen unserer Beschäftigten haben. Deshalb haben wir ein faires Angebot vorlegt, das den Beschäftigten mehr Einkommen sichert, aber auch die Betriebe nicht überfordert. Die Tarifpolitik hat große Verantwortung für die Zukunft des M+E-Industriestandorts und der Arbeitsplätze in unserer Region. Wir müssen nun alles daransetzen, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.“

(Grafik: METALL NRW)

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