Unternehmen investieren weit mehr als reine Vergütung

Unternehmerverband warnt vor Eingriff in die Tarifautonomie

Die Große Koalition plant laut Koalitionsvertrag, ab 2020 eine Mindestvergütung für Lehrlinge einzuführen. Das stößt auf Arbeitgeberseite auf Ablehnung, liegt aus Sicht des Unternehmerverbandes doch ein ganz grundlegendes Missverständnis vor, wie dessen Hauptgeschäftsführer Wolfgang Schmitz erläutert: „Die Ausbildungsvergütung ist kein Lohn und auch kein Gehalt.“ Vielmehr handele es sich um einen Zuschuss zum Lebensunterhalt. „Dies entspricht dem Sinn und Zweck einer Ausbildung, in der das Lernen im Vordergrund steht.“

Die Unternehmen beschäftigen Auszubildende, um ihre Fachkräfte von morgen selbst heranzuziehen. Über die Ausbildungsvergütung hinaus lassen sich Betriebe das einiges kosten, weiß Schmitz: „Viele Unternehmen z. B in der Metall- und Elektroindustrie haben eine eigene Ausbildungswerkstatt, in der die Jugendlichen in einer geschützten Atmosphäre zunächst die beruflichen Tätigkeiten erlernen. Eigens dafür abgestellte Mitarbeiter leiten sie dazu an.“ Erst Schritt für Schritt würden die Nachwuchskräfte dann in der eigentlichen Produktion eingesetzt. „Ausbildungsleiter, -werkstätten, -materialien … all das kostet Geld, das Ausbildungsbetriebe investieren.“ Eine höhere Ausbildungsvergütung sei deshalb nicht zu leisten und ginge vermutlich mit sinkendem Engagement bei den angebotenen Ausbildungsplätzen einher, warnt Schmitz.

2017 betrug die durchschnittliche Ausbildungsvergütung 876 Euro pro Monat. „Gut die Hälfte der Auszubildenden bekommt eine Vergütung von 750 bis 1000 Euro, weitere 26 Prozent erhalten sogar 1000 Euro oder mehr“, entnimmt Schmitz der Statistik. Er gibt zu bedenken: „Von einem solch hohen Zuschuss zum Lebensunterhalt können Abiturienten oder Studierende nur träumen.“ Der Unternehmerverband warnt davor, dass sich die Politik in die Lohngestaltung einmischt. „Die Ausbildungsvergütung zu gestalten, muss weiterhin Sache der Tarifparteien sein. Nur sie können austarieren, was jeweils sinnvoll und angemessen ist“, so Schmitz. Wie auch beim Mindestlohn gelte: Wenn mit gesetzlichen Vorgaben eingriffen wird, wird die Tarifautonomie, auf die Arbeitgeber wie Gewerkschaften großen Wert legen, massiv beschädigt.

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes (Foto: Unternehmerverband)

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