Umfrage: Arbeitsplätze wandern ab

Unternehmerverband warnt vor zu hohen Tarifabschlüssen und sieht falsche politische Weichenstellungen

In der heimischen Metall- und Elektroindustrie gehen in nennenswertem Umfang Arbeitsplätze in der Produktion verloren. Betroffen sind vor allem einfache Tätigkeiten. Dagegen wächst der Anteil der Produktion an ausländischen Standorten. Überdies investieren immer mehr Unternehmen im Ausland und erzielen dort einen zunehmend größeren Teil der Gewinne.

Dies ist das Ergebnis einer Umfrage von fünf Metallarbeitgeberverbänden in der Region, an der sich mit 62 Betrieben rund 29 Prozent der insgesamt 196 tarifgebundenen Mitgliedsunternehmen beteiligt haben. Die Erhebung wurde im Januar 2016 von der IW Consult GmbH in Köln durchgeführt wurde.

Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmerverbandes, Wim Abbing, sagte bei der Vorlage der Ergebnisse, die Umfrage sei Beleg für den zunehmenden Abzug von Produktion in der Metall- und Elektroindustrie.

Als Hauptgründe hätten die Unternehmen neben weltweiten Konjunkturentwicklungen die zuletzt stark gestiegenen Arbeitskosten und zunehmende Belastungen durch falsche politische Weichenstellungen in Bund und Land genannt.

„Die Ergebnisse sind ein Alarmsignal an die IG Metall und an die Politik, die Bedingungen für Produktion, Investitionen und wettbewerbsfähige Arbeitsplätze zügig und spürbar zu verbessern“, sagte Abbing. In der anstehenden Tarifrunde müsse Maß gehalten und ein vernünftiger Tarifabschluss erzielt werden.

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, warnt vor einer weiteren Erosion von Arbeitsplätzen: „Angesichts der wachsenden Belastungen durch verschlechterte Rahmenbedingungen sind wir auf die nächste Rezession nicht gut vorbereitet.“ Die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Standorte habe in den letzten Jahren dramatisch gelitten. Immer mehr Unternehmen orientierten sich daher Richtung Ausland.

„Außerdem fehlt es an einer Willkommenskultur für Unternehmen und eine nachhaltige Aufbruchsstimmung, um die Region, aber auch NRW insgesamt als Industriestandort zukunftsfest zu machen“, so Schmitz.

Es sei jetzt die Zeit, um die Metall- und Elektroindustrie als Herz der Wirtschaft zu stärken. Dabei müsse auch die Kommunalpolitik ihre Hausaufgaben machen: „Alle Standortbedingungen für die Industrie gehören auf den Prüfstand. Auf den Erhalt von Arbeitsplätzen kommt es an“, erklärt Abbing. Es gehe dabei um das Flächen-Thema, die Besteuerung, aber auch um die Frage des gut ausgebildeten Fachkräfte-Nachwuchses.

Die Ergebnisse für die M+E-Industrie in der Region im Einzelnen:

Produktion: Binnen zehn Jahren (von 2011 – 2021) wird der Anteil der Produktion im Inland von rund 69 Prozent auf 56 Prozent gesunken, der Auslandsanteil entsprechend gestiegen sein. Auf einer Skala von 0 (trifft nicht zu) bis 10 (trifft zu) liegt das Kosten-Motiv für Auslandsproduktion bei 9 Punkten und das Marktnähe-Motiv bei 8,3 Punkten.

Investitionen: Fast 60 Prozent der Investitionen werden in fünf Jahren in Maschinen und Anlagen an ausländischen Produktionsstandorten fließen – vor fünf Jahren waren es erst gerade einmal 38 Prozent. Dabei stehen im Inland der Erhalt und die Modernisierung bestehender Anlagen (8,8 Punkte) im Mittelpunkt, während bei Investitionen im Ausland dagegen vor allem das Erweiterungsmotiv (7,1 Punkte), also der Auf- und Ausbau von Produktionsstätten, im Fokus steht.

Gewinne: Die zusätzlichen Kapazitäten im Ausland führen zu einem rückläufigen Anteil der Inlandsgewinne an den Gesamtgewinnen der Unternehmen – von fast zwei Dritteln im Jahr 2011 auf fast die Hälfte im Jahr 2021. Anders ausgedrückt: In fünf Jahren wird der Gewinn-Anteil aus dem Ausland die Hälfte des Gesamtgewinns der M+E-Betriebe in der Region erreichen.

Beschäftigung: Der ohnehin niedrige Anteil einfacher Tätigkeiten (Entgeltgruppen 1-5) an der Gesamtbeschäftigung wird binnen zehn Jahren um fast die Hälfte gesunken sein. Als Gründe geben die Unternehmen den erhöhten Automatisierungsgrad (6.0 Punkte) sowie den Einkauf von durch Einfachtätigkeiten hergestellten Produkten über inländische (4,7 Punkte) oder ausländische (3,8 Punkte) Drittanbieter an. Viele Unternehmen (3,7 Punkte) verlagern diese Tätigkeiten auch an ihre eigenen ausländischen Produktionsstandorte.

Veränderung der Produktion im Inland: Aus der langfristigen Perspektive der vergangenen zehn Jahre betrachtet erweisen sich nach Angaben der Unternehmen die Automatisierung der Produktion, die zunehmende Flexibilisierung und die abnehmende Fertigungstiefe im Inland als Mega-Trends. Auf einer Skala von 0 (deutlich verringert) bis 10 (deutlich erhöht) liegt die Automatisierung bei 7,4 Punkten, der Einsatz von Flexibilisierungselementen (Zeitkonten) bei 6,9 Punkten, der Einsatz von selbst im Ausland hergestellten Vorprodukten bei 6,7 Punkten und der Einsatz von im Ausland eingekauften Vorprodukten bei 6,6 Punkten. Auch der Einsatz von Zeitarbeit und Werkverträgen (beide 6,0 Punkte) spielen eine wichtige Rolle.

Politik und Gesetze: Zusätzliche Belastungen durch angekündigte oder bereits vollzogene Regulierungen in Bund und Land werden von den Unternehmen als investitionshemmend empfunden. Als gravierend werden dabei die Auswirkungen durch die Energiewende, die Einschränkungen bei der Zeitarbeit, der mit der Einführung der Rente mit 63 einhergehende frühzeitige Verlust von erfahrenen  Fachkräften, zusätzliche an die Unternehmen gestellte individuelle Flexibilitätsanforderungen der Beschäftigten, der NRW-Klimaschutzplan, das NRW-Tariftreue- und Vergabegesetz sowie der NRW-Landesentwicklungsplan bezeichnet.

Zur Info: Die Ergebnisse sind der regionalisierte Auszug einer durch den Arbeitgeberverband METALL NRW in Düsseldorf landesweit im Januar 2016 durchgeführten Umfrage unter 383 von mehr als 1.200 tarifgebundenen Mitgliedsunternehmen in NRW zur Zukunft des M+E-Produktionsstandortes Nordrhein-Westfalen.

Wim Abbing, Vorstandsvorsitzender des Unternehmerverbandes (Foto: Unternehmerverband)

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