Schermbeck Spitzenreiter, Voerde und Hamminkeln besonders dynamisch

Unternehmerverband legt Detailanalyse eines IW-Kommunalrankings für den Kreis Wesel (rechtsrheinischer Norden) vor

Der Unternehmerverband hat ein aktuelles Kommunalranking des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für die Städte Schermbeck, Hamminkeln, Voerde, Wesel, Hünxe und Dinslaken ausgewertet. Zunächst einmal zeigt es, dass im Regierungsbezirk Düsseldorf besonders wirtschaftsstarke Kommunen zu finden sind. „Die sechs Städte sind in entscheidenden Punkten wie etwa Breitbandversorgung, Gewerbesteuerhebesätze und Alterung unterschiedlich gut aufgestellt, aber bei allen stimmt die Richtung: Sie sind dynamisch, also in ihrer Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren besser als beim aktuellen Niveau“, erläutert Martin Jonetzko, stellv. Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes. Das Kommunalranking der 396 NRW-Kommunen bietet viele Ideen, wie auch die Städte am Niederrhein als Wirtschaftsstandort nachhaltig prosperieren können.

Spitzenreiter der sechs hiesigen Städte ist Schermbeck, das bei der Betrachtung der aktuellen Situation (Niveau-Ranking) Platz 190 von 396 NRW-Kommunen erreicht (s. Kasten). Auch im Dynamik-Ranking, das die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre spiegelt, liegt die Stadt mit Platz 105 im oberen Drittel. Zwei Nachbarstädte weisen zwar ein schlechteres Niveau, aber eine beachtliche Dynamik auf: Hamminkeln (237/72) und Voerde (308/47). Die Städte Wesel (242/206), Hünxe (256/202) und Dinslaken (272/166) liegen im hinteren Mittelfeld dicht beieinander.

„Natürlich kann man solche Rankings beiseiteschieben, weil jede Stadt ihre ganz spezifischen Rahmenbedingungen hat. Oder man nutzt solche Vergleiche, um die Stellschrauben zu identifizieren, an denen man als Kommune selbst drehen kann. Genau das haben die prosperierenden Städte und Gemeinden ja schon getan“, sagt Martin Jonetzko, der in Wesel lebt und die Regionalgeschäftsführung Niederrhein leitet. Insbesondere mit Blick auf die gerade erfolgte Kommunalwahl haben es die neuen Stadt- und Gemeinderäte sowie Bürgermeisterinnen bzw. Bürgermeister ja selbst in der Hand, eine aktive Standort- und Wirtschaftspolitik zu betreiben.

Warum die Stadt Schermbeck Spitzenreiter ist, lässt sich an den 17 erhobenen Indikatoren aus den vier Bereichen Wirtschaft, Arbeiten, Wohnen und Lebensqualität ablesen. Wo Schermbeck sowie die beiden besonders dynamischen Städte Voerde und Hamminkeln enorm punkten, sind die so genannten „Wanderungen“, also der Saldo aus Fort- und Zuzügen je 1.000 Einwohner. „Insbesondere in der wichtigen Gruppe der 30- bis 50-Jährigen, das ist die Hauptgruppe der Erwerbstätigen, haben die drei Städte einen stark überdurchschnittlichen Saldo“, erläutert Jonetzko. Wesentlich mehr Zu- als Fortzüge (NRW-Schnitt 3,0) verzeichnen Schermbeck (+20,8), Voerde (+13,4), Hünxe (+12,6) und Hamminkeln (+11). Hingegen stagniert Dinslaken (+0,6) und Wesel (-1,5) schrumpft gar in dieser Altersgruppe.

Für die Stadt Voerde belegt die Studie, dass sie in den zurückliegenden fünf Jahren besonders dynamisch war, wenngleich sie ja auch mit Platz 308 im Niveau-Ranking Luft nach oben hat. Voerde punktet bei der Entwicklung naturnaher Flächen, der Wohnfläche sowie der Beschäftigungsrate von Frauen. In allen drei Indikatoren verbesserte sich die Stadt mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre überdurchschnittlich hoch. Die gleichen Faktoren führen in Hamminkeln zur guten Dynamik-Platzierung. „Besonders sticht die Beschäftigungsrate von Frauen hervor, die heute ein wichtiger Faktor auf dem Arbeitsmarkt ist. In Hamminkeln wuchs diese von 47,5 auf 55,4 Prozent“, erläutert Jonetzko. Weiterer positiver Faktor ist der Anstieg des Wohnungsneubaus um 3,6 Wohnungen je 1.000 Bestandswohnungen – im NRW-Schnitt liegt der Anstieg bei 0,9.

Die hiesigen Städte könnten gar noch besser dastehen, wenn sie bis auf Wesel (448) nicht alle überdurchschnittlich hohe Gewerbesteuerhebesätze (NRW: 451) hätten: Hünxe 510, Voerde 470, Schermbeck 460, Dinslaken 460 und Hamminkeln 452. „Die Steuerschraube wird impulsiv gedreht, wenn Einnahmen fehlen. Steigen könnten diese aber auch dadurch, dass neue Gewerbeflächen ausgewiesen werden, auf denen Bestandsfirmen dann weitere Arbeitsplätze schaffen oder sich neue Firmen ansiedeln“, sagt Jonetzko. Dass die Einnahmen – und damit finanzielle Spielräume für Investitionen – fehlen, zeige das Ranking deutlich: Alle Städte haben eine unterdurchschnittliche gemeindliche Steuerkraft. Schwächen der sechs Städte sind zudem eine alternde Bevölkerung und fehlende Innovationskraft, was sich anhand der geringen Zahl an Patentanmeldungen ableiten lässt.

Prosperierende Städte, die im IW-Ranking ganz vorne landen, setzen stark auf interkommunale Zusammenarbeit: Im Münsterland entstand ein interkommunales Gewerbegebiet, für das eigens ein Autobahnanschluss gebaut wurde. Eine andere Stadt gründete mit der Universitätsstadt Münster eine Plattform, auf der Coworking-Plätze in der Region vermittelt werden. „Man kann es auf eine einfach Gleichung herunterbrechen: Mehr Unternehmen = mehr Arbeitsplätze = mehr Einnahmen durch Gewerbe- und Einkommenssteuern = mehr Gestaltungsspielraum für Städte“, konstatiert Jonetzko. Er ergänzt, was die Pandemie und die damit ausgelöste wirtschaftlich schwierige Zeit deutlich gezeigt haben: „Corona gefährdet unseren Wohlstand. Wenn Unternehmen, Geschäfte und Gastronomie schließen, leiden alle darunter. Und das gilt auch dann, wenn unsere Städte wirtschaftlich abgehängt werden.“

Die Ergebnisse im Detail (s. auch Detailanalyse):

Wirtschaft (Breitband, Gewerbesteuer, Steuerkraft, Patente)

Eine hochleistungsfähige Breitbandversorgung ist für Unternehmen häufig ein Schlüsselfaktor. In Zukunft wird die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen auch davon abhängen, ob sie digitale Technologien implementieren können. Spitzenreiter sind hier Wesel und Voerde, Schlusslicht ist Schermbeck (Versorgungsrate von 52 im Vergleich zu NRW mit 82). Relativ schwach ist die gesamte Region bei den Patentanmeldungen, die meisten verzeichnet Voerde mit 51,7 pro 1.000 Betriebe (NRW-Schnitt: 126).

 

Arbeiten (Arbeitsplatzversorgung, Beschäftigungsrate von Frauen, Wanderung)

Regionen mit einem umfangreichen Arbeitsplatzangebot sind attraktiver und ziehen in stärkerem Maße Fachkräfte an. Bis auf Wesel, und Voerde und Dinslaken punkten die Städte mit einer überdurchschnittlichen Arbeitsplatzversorgung – das kann man auch an den soliden Arbeitsmarktzahlen hier in der Region ablesen bzw. im Umkehrschluss an den Herausforderungen der hier ansässigen Unternehmen, Fachkräfte für sich zu gewinnen. Potenzial nach oben gibt es bei der Beschäftigungsrate von Frauen, die inzwischen ein wichtiger Faktor auf dem Arbeitsmarkt ist. Hamminkeln, Schermbeck und Hünxe liegen hier leicht über dem NRW-Schnitt, Wesel, Voerde und Dinslaken leicht darunter. Aufholen sollten die beiden Zentren Wesel und Dinslaken unbedingt beim Zuzug der 30- bis 50-Jährigen, da dies die wichtige Hauptgruppe der Erwerbstätigen ist.

 

Wohnen (Baugenehmigungen, Wohnungsneubau, Wohnfläche und privates Breitband)

Hünxe, Hamminkeln und Wesel liegen bei den Baugenehmigungen weit vorne, Spitzenreiter beim Wohnungsneubau ist Hamminkeln mit 11,1 Wohnungsfertigstellungen je 1.000 Bestandswohnungen. Größer als der NRW-Durchschnitt von 44 Quadratmetern sind die Wohnflächen je Einwohner in Hünxe, Hamminkeln, Schermbeck und Wesel. In Sachen privates Breitband überzeugen Dinslaken, Voerde und Wesel mit einer fast 100-prozentigen Versorgungsrate.

 

Leben (Kaufkraft, Wanderung, Altersquotient, Fahrtzeit zur Autobahn, naturnahe Flächen, Artpraxen-Dichte)

Die Kaufkraft ist in Hünxe mit 116,4 (Deutschland = 100) mit großem Abstand zu den anderen Kommunen am höchsten; somit steht hier jedem Einwohner für Konsumwecke am meisten Geld zur Verfügung. Voerde liegt mit 94,4 am niedrigsten. Betrachtet man die Wanderungen aller Einwohner, also Zuzüge minus Fortzüge, ist gerade Schermbeck (+8,0) am attraktivsten, alle anderen Städte liegen unter dem NRW-Schnitt von +2,9: Voerde +2,8, Hünxe +1,1, Dinslaken -0,1, Wesel -2,1 und Hamminkeln -2,3. Beim Altersquotienten liegen alle Städte unter dem NRW-Schnitt, d.h. die Bevölkerung ist älter als anderswo. Sehr gut ist der Niederrhein an das Autobahnnetz angeschlossen: Überall braucht man weit weniger als im NRW-Schnitt (10,4 Minuten) bis zur Autobahn. Und bei der Arzt-Praxen-Dichte schneidet nur Wesel mit 1,5 je 1.000 Einwohner genau im Schnitt ab. Abgeschlagen sind Hünxe (0,5) und Hamminkeln (0,9).

 

Kasten

Beim Kommunalranking für alle 396 Kommunen in NRW wurden 17 Indikatoren aus den vier Themenbereichen Wirtschaft, Arbeiten, Wohnen und Lebensqualität erhoben und im Rahmen eines Niveau-Rankings zusammengefasst. Im Rahmen eines Dynamik-Rankings wurde zudem die Entwicklung von 12 Indikatoren in den vergangenen drei bis fünf Jahren näher in den Blick genommen, um die Entwicklung der letzten Jahre in den Kommunen beurteilen zu können.

Quelle: www.iwconsult.de/aktuelles/projekte/kommunalranking-nrw-2020

Detailanalyse Kreis Wesel: www.unternehmerverband.org/kommunalwahl

 

 

Rang Niveau
(von 396 NRW-Kommunen)

Rang Dynamik
(von 396 NRW-Kommunen)

Monheim am Rhein

1

12

Schermbeck

190

105

Isselburg

229

66

Hamminkeln

237

72

Wesel

242

206

Hünxe

256

202

Dinslaken

272

166

Voerde

308

47

Mülheim

337

394

Emmerich

338

209

Duisburg

392

329

Oberhausen

393

383

Martin Jonetzko, stellv. Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, betont: „Corona gefährdet unseren Wohlstand. Wenn Unternehmen, Geschäfte und Gastronomie schließen, leiden alle darunter. Und das gilt auch dann, wenn unsere Städte wirtschaftlich abgehängt werden.“ (Foto: Unternehmerverband)

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Regionalgeschäftsführung Kreise Borken / Kleve und Pressesprecherin

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