Praxistag: Warum auch Pausen Menschen voranbringen können

Das 8. Bocholter Personalforum stand ganz im Zeichen moderner und praxistauglicher Personalentwicklung

Grau ist alle Theorie – in diesem Sinne gestaltete sich das 8. Bocholter Personalforum in diesem Jahr kunterbunt. Denn nicht die Theorie, sondern die besten Praxisbeispiele standen im Mittelpunkt der Veranstaltung, die jetzt im Bocholter Residenz Hotel stattfand. Das Forum richtet sich jedes Jahr an Personalverantwortliche und Führungskräfte in den Unternehmen und wird vom heimischen Unternehmerverband mit Unterstützung der IHK Nordwestfalen ausgerichtet. Der Austausch soll den Teilnehmern Impulse für die eigene Mitarbeiterentwicklung geben.

Ein Thema das in Anbetracht des wachsenden Fachkräftebedarfs – gerade in der hiesigen Region – in den Unternehmen immer wichtiger wird. Moderne Personalentwicklung bedeutet, so eine entscheidende Erkenntnis: Nur wer anständig mit seinem Personal umgeht, wird auch in Zukunft genügend Fachkräfte finden. Und beim Umgang mit den eigenen Mitarbeitern geht es längst nicht mehr nur um die reine Arbeitsleistung und ihre Honorierung. Immer aktueller werden auch am Arbeitsplatz die Themen Gesundheit, Familienfreundlichkeit und emotionale Zufriedenheit im Job.

Dass es sich für Unternehmen und seine Mitarbeiter auszahlt, wenn die Kollegen gesund und fit sind, liegt auf der Hand, denn Fehlzeiten und eingeschränkte Arbeitsleistung belasten im Endeffekt auch das Betriebsergebnis. Und dass man für eine gesundere Lebensführung nicht unbedingt ein Fitnessstudio im Betrieb einrichten muss, erläuterte Petra Jansing von der coperatio net work GmbH. „Was nutzt ein Fitnessstudio, wenn keiner hingeht?“, fragte Jansing. Ihr sind die kleinen, erreichbaren Schritte wichtiger. Mit einer vernünftigen Pause fängt ihrer Meinung nach ein gutes Wohlbefinden an. „Suchen sie sich eine schöne Parkbank und tun sie mal einfach fünf Minuten gar nichts. Handy weg und nichts tun“, empfiehlt die Referentin und Stressmanagement-Trainerin. Nichts bringe die Menschen auf ihrem Weg so gut voran, wie eine vernünftige Pause.

Um die Kostbarkeit der eigenen Gesundheit ging es auch beim Vortrag von Joachim Schmidt, der für ThyssenKrupp MillServices & Systems GmbH sprach. Schmidt erläuterte die Beratungsangebote seines Unternehmens bei Alkohol-, Tabletten- und Drogensucht bzw. Überschuldung. Der Referent hatte alarmierende Zahlen parat. So seien jährlich in Deutschland 74.000 Todesfälle durch riskanten Alkoholkonsum zu beklagen. Im Jahr gebe es deutschlandweit 500.000 Arbeitsunfälle, die auf Suchtmitteleinfluss zurückzuführen seien. 4 Millionen Menschen trinken gar täglich Alkohol am Arbeitsplatz. Alkohol und Drogen haben natürlich massive Auswirkungen auf die Gesundheit der Arbeitnehmer, aber auch die Unternehmen leiden. Bei Firmen ohne Suchtberatung kostet die Alkoholsucht 300.000 Euro im Jahr pro 1.000 Mitarbeiter, so der Experte. Die intensive Beratung bei ThyssenKrupp setze auf „Miteinander statt übereinander reden“. Betroffene Kollegen müssten vor allem rechtzeitig angesprochen werden. „Auf die soziale Unterstützung im Team kommt es dann an“, so Schmidt. Grundlage zur Suchtprävention sei dabei ein gutes Betriebsklima mit verlässlichen Arbeitsbesprechungen und positiven Rückmeldungen über die geleistete Arbeit.

Genau diese Mitarbeiterzufriedenheit liegt auch dem Unternehmen Probat aus Emmerich am Herzen. Der Weltmarktführer bei der Herstellung von Kaffeeröstmaschinen setzt auf Teamarbeit und erreicht so kontinuierliche Verbesserungen. Mitarbeiter können hier die Arbeitsabläufe mitgestalten und so ihr eigenes Arbeitsumfeld verbessern. Davon profitiert dann auch das Unternehmen, wie Reinhard Tiemann, der Leiter der Fertigung bei den Probat-Werken, berichtete. „Wir wollen die Identifikation mit den Aufgaben im Unternehmen verbessern. Beteiligung und Eigenverantwortung, darum geht es uns“, so Tiemann.

Andreas Heinrich von den Stadtwerken Dinslaken berichtete, wie sein Unternehmen dem Fachkräftemangel begegnet. Auch hier stehen die Themen Gesundheit, Arbeitsschutz und Weiterbildung im Vordergrund. Doch insbesondere nehmen die Stadtwerke auch den Generationswechsel bei den Mitarbeitern in den Blick. Sogenannte „Lerntandems“ sollen dafür Sorge tragen, dass das Wissen der Älteren auf die Jüngeren transferiert wird. „Schrittweise führen wir so den Nachwuchs an die Aufgabengebiete der Spezialisten heran. Alt und Jung lernen in Tandems unmittelbar voneinander“, erläuterte Heinrich das Generationenprojekt seines Unternehmens.

Aus der Praxis für die Praxis ist beim 8. Bocholter Personalforum über gelungene Personalentwicklung informiert worden. Im Veranstaltungsverlauf wurden auch innovative familienfreundlichen Maßnahmen sowie praxistaugliche Richtlinien für den Umgang mit Facebook, Twitter & Co vorgestellt. Eine Analyse des neuen Übergangssystems Schule-Beruf gehörte ebenso zum Tagungsprogramm.

Organisator Jürgen Paschold vom Unternehmerverband hatte den „Best Practice-Tag“ initiiert. „Unternehmen lernen hier voneinander, darauf kommt es dem Unternehmerverband an“, erläutert Paschold. Mit der Resonanz der über 60 Teilnehmer zeigt er sich zufrieden: „Alle berichten uns, dass sie viele Denkanstöße mitgenommen haben und das eine oder andere Thema für sich jetzt vertiefen werden. Das Ziel ist damit erreicht.“

Organisatoren und Referentin: Jürgen Paschold von der Regionalgeschäftsführung des Unternehmerverbandes, Stressmanagement-Trainerin Petra Jansing und der Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes Wolfgang Schmitz (Foto: Unternehmerverband)

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