Keine „One size fits all“-Lösung

Expertenrunde des Unternehmerverbandes über Homeoffice, mobile Working und die Büroflächen der Zukunft

Was sind die Lehren aus der Pandemie für die Arbeitswelt und welche guten Rezepte funktionieren in der Zusammenarbeit auch weiterhin? „Die Unternehmen habe eine rasante Lernkurve hinter sich, was das mobile Arbeiten angeht. Für Personal- und Standortplanungen stellt sich für viele nun die zentrale Frage, wie sich alles in der ‚neuen Normalität‘ etabliert und wie die Büroflächen der Zukunft aussehen“, erläutert Tobias Fastenrath, Verbandsingenieur beim Unternehmerverband. Bei einem Treffen von IT-Experten aus dem Kreise der Mitgliedsunternehmen wurde darüber intensiv diskutiert. Fazit: Eine „One size fits all“-Lösung gibt es nicht.

Zwei versierte Fachleute, Vivien Iffländer und Peter Labohm vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Berlin, gaben Einblicke in die Forschung zur Zukunft der Arbeit. „Etwa 50 Prozent der Unternehmen wollen mobile Working – also das zeit- und ortsflexible Arbeiten – weiterverfolgen“, so die Experten. Nötige Kompetenzen seien Selbstmanagement, Führen auf Distanz und Kreativität. Mit Blick auf Bürokonzepte gäbe es künftig kein „One size fits all“ mehr: Base Office, Project & Cooperation Space, Cowork und 3rd Place. Dass sich Arbeit und Arbeitsort zunehmend entkoppeln und weiter flexibilisieren, bestätigten auch die Teilnehmer. Wobei: Homeoffice eigne sich gut für Konzentrationsarbeit, Projektabstimmungen hingegen seien besser in Präsenz umsetzbar. „Generell ist überall der Wunsch groß, sich wieder auszutauschen, Ideen gemeinsam vor Ort zu entwickeln, das Miteinander mit den Kollegen zu haben“, fasste Fastenrath seine Erfahrungen zusammen.

Genau dieser Wunsch ist auch Kern einer Idee, wie man mit freien Büroflächen umgeht, wenn die Beschäftigten nicht mehr jeden Tag im Büro sind. Kenny Engel vom Beratungsunternehmen if5 wusste zu berichten: „Organisationen entwickeln intelligente Lösungen, damit sich ihre Flächen weiterhin zum Arbeiten, vor allem aber zum Netzwerken anbieten.“ So schlug er auch vor, die Flächen an Externe zu vermieten; so werde mobile Working zum Benefit für das gesamte Unternehmen. Auf dem Weg in die schöne neue Arbeitswelt gibt es laut Engel allerdings viele kleine und große, kulturelle und organisatorische Stolpersteine zu meistern; beispielsweise, wie viel Fläche tatsächlich noch gebraucht werde, wann man aus dem scheinbar niemals endenden Beta-Modus herauskomme und ob Mate-Tee und Tischkicker das Patentrezept seien.

Wichtig ist, das unterstrich Verbandsingenieur Tobias Fastenrath, dass alle Beschäftigten unbedingt in die Veränderungen miteinbezogen werden: „Nicht für jeden ist Homeoffice etwas, es ist ja zudem auch gar nicht für jeden möglich. Wenn viele Beschäftigte mir ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Wünschen gemeinsam ein Konzept erarbeiten, wird das viel eher ein passender Maßanzug, der genau zum Unternehmen passt und den jeder mitträgt.“ Sofern Unternehmen Unterstützung benötigen, berät Verbandsingenieur Tobias Fastenrath; dieses Angebot gilt auch für Nicht-Mitglieder.

Die jüngste Tagung des Arbeitskreises IT & Digitalisierung fand pünktlich zu dessen 54. Geburtstag statt – so lange schon lädt der Unternehmerverband die Fachleuchte aus seinen Mitgliedsunternehmen zum Austauschen von Themen, Erfahrungen und Konzepten ein. Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen. Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber Mitglied des Unternehmerverbandes ist. Weitere Informationen unter https://www.unternehmerverband.org/leistungen/arbeitskreise/

Mate-Tee und Tischkicker sind nicht das Patentrezept für die „schöne neue Arbeitswelt“. Vielmehr sind passgenaue Lösungen gefragt, die Beschäftigte und Arbeitgeber gemeinsam erarbeiten. Dabei übertragen die Unternehmen die wichtigsten Erfahrungen aus der Corona-Pandemie, was die Zusammenarbeit der Beschäftigten angeht, gerade in ihre ‚neue Normalität“. (Foto: istock)
Verbandsingenieur Tobias Fastenrath (Foto: Unternehmerverband)

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