„Kaum noch Erweiterungsinvestitionen in der Region“

Arbeitgeber: Schleichende De-Industrialisierung in der Metall- und Elektroindustrie

Die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie investieren immer weniger in den Ausbau ihrer heimischen Produktionskapazitäten. Darauf weist der hiesige Unternehmerverband Metall Ruhr-Niederrhein im Vorfeld der in Kürze beginnenden Tarifrunde der Metallbranche hin. Der Vorsitzende des Verbandes Wim Abbing sagte, Erweiterungsinvestitionen und damit Wachstum fände seit einigen Jahren fast nur noch im Ausland statt. Diese Investitionsschwäche sei von der aktuellen Konjunktur-Umfrage des Verbandes bestätigt worden. Ein Blick auf Zahlen der Bundesbank ergeben ein ähnliches Bild für das gesamte Bundesgebiet.

Zwar habe die deutsche Metall- und Elektroindustrie im vergangenen Jahr rund 39 Milliarden Euro hierzulande in Bauten und Ausrüstungen investiert, allerdings werde damit unter dem Strich nur noch der Bestand gesichert. Allein in den letzten acht Jahren hätten die Abschreibungen viermal über den Bruttoinvestitionen gelegen. „Das ist ein eindeutiges Alarmsignal für eine schleichende De-Industrialisierung“, betonte Abbing. Ein weiterer Beleg hierfür sei, dass die Produktion trotz spürbarer Fortschritte in der Effizienz nahezu stagniere.

Demgegenüber hätten die Unternehmen der Branche ihre Budgets für ihre Auslandsengagements in den letzten Jahren beträchtlich ausgeweitet. Von 1995 bis 2012 sei der Bestand deutscher Direktinvestitionen in die ausländische Industrie um mehr als 350 Prozent gestiegen (von 77 Milliarden Euro auf 352 Milliarden Euro). „Die im Vergleich zu Deutschland anderswo günstigeren Produktionskosten gewinnen zunehmend an Bedeutung, wenn Unternehmen über Investitionsstandorte nachdenken“, betonte Abbing.

Aus Gesprächen mit Unternehmern aus der Region nehme er immer mehr wahr, dass Markterschließung und Kundennähe zwar nach wie vor wichtige Motive für Auslandsinvestitionen seien. Doch der zuletzt wieder zulasten deutscher Standorte gewachsene Abstand bei den Arbeitskosten rücke bei Standort-Überlegungen zunehmend in den Vordergrund. „Unsere Mitgliedsunternehmen wollen in der Region investieren, aber es muss auch wirtschaftlich verantwortbar sein, sonst werden wir sehr schnell von internationalen Wettbewerbern überholt – mit allen Konsequenzen für bestehende Arbeitsplätze“, erläutert Abbing.

Die Unternehmer fordern von der Gewerkschaft deswegen Augenmaß in der anstehenden Tarifrunde. „Es ist nicht die Zeit für tarifpolitische Höhenflüge. Im Gegenteil: Wir müssen das Vertrauen der Unternehmen in den Flächentarifvertrag wiederherstellen“, so Abbing abschließend.

Wim Abbing, Vorstandsvorsitzender des Unternehmerverbandes (Foto: Unternehmerverband)

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