Kandidaten arbeiten sich am „4-Punkte-Plan“ der Wirtschaft ab

Bürgermeisterkandidaten im Dialog mit 45 Unternehmern / Wirtschaftshemen im Mittelpunkt / Speed-Dating kitzelt Persönliches heraus

Gewerbeflächenmanagement, Schuldendeckel und Brauhaus – es gab einige Themen, bei denen sich die Bürgermeisterkandidaten Peter Nebelo (SPD) und Heinrich Welsing (CDU) nicht einig waren. Bei der „WahlZeit“ des Unternehmerverbandes diskutierten die beiden Anwärter gestern Abend (1. September 2015) mit 45 Vertretern der Bocholter Wirtschaft; Berthold Blesenkemper moderierte.

Zunächst herrschte Einigkeit: Beide Kandidaten haben ähnliche Ziele, wie sie der Unternehmerverband in einem „4-Punkte-Plan“ formuliert hatte: Bocholt muss solide wirtschaften, Unternehmen gute Rahmenbedingungen bieten, sich als Fachkräftestandort attraktiv machen und eine eigene „Digitale Agenda“ erstellen. Nebelo veranschlagte in Sachen städtischer Haushalt aber Flexibilität und möchte in wichtige Projekte investieren, auch wenn der Schuldendeckel von 155 Mio. Euro zeitweilig überschritten werde. „Wenn wir in der jetzigen Zinssituation nicht Schulden machen, wann dann?“, fragte er. Welsing hingegen will an der Obergrenze festhalten, wenn auch intelligent Spielräume schaffen. Letzteres verlangt der Herausforderer der CDU auch in anderen Themenbereichen: Gewerbeflächen müssten individueller zugeschnitten werden oder kleinere Flächen als Bauland z. B. in Mussum erschlossen werden anstatt nur große neue Wohngebiete zu schaffen.

Dem Begehren des Unternehmerverbandes, dass die Verwaltung insgesamt wirtschafts- und mittelstandfreundlicher wird, stimmten beide Kandidaten zwar zu. Sie erteilten aber einer offiziellen Zertifizierung als mittelstandsfreundliche Verwaltung eine Absage. Eine solche Zertifizierung, die etwa der Kreis Borken absolviert hat, sieht z. B. vor, dass gewerbliche Bauanträge innerhalb von 40 Tagen bearbeitet werden. „Für mich macht eine Zertifizierung die Verwaltung nicht effektiver oder zwangsläufig besser“, konstatierte Nebelo. Auch Welsing winkte ab: „Zuhören, abwägen, entscheiden – das ist meine Devise. Ich möchte den Mitarbeitern nicht nur Vorgaben machen, sondern sie mitnehmen und begeistern.“

Überhaupt liegen im Führungsstil offenbar Differenzen, die ein Speed-Dating ans Licht brachte. Dabei kitzelte eine imaginäre Personalchefin aus den Bewerbern heraus, was deren Person ausmacht und sie besonders für das Amt befähigt. So sieht sich Heinrich Welsing als mittelständischer Unternehmer, dem Führung nicht fremd ist. Dem hielt Mitbewerber Peter Nebelo entgegen, dass er sich als Rechtsanwalt mit den vielen Regelwerken von Kommunal- bis EU-Ebene gut zurechtfinde. Auch Persönliches erfuhren die Zuhörer durch das Speed-Dating: Beide kamen mit dem Auto zur WahlZeit, sind bekennende Fleisch-Esser und verbringen ihre Freizeit gerne in Bocholt. Aber: Nebelo bügelt – im Gegensatz zu Welsing – seine Hemden selbst.

Neben diesem Ausflug ins Personalrekruiting, das jeder Unternehmer im Saal aus eigener Anschauung kennt, ging es natürlich auch um die harten Fakten. „Mit einem Gewerbesteuerhebesatz von 432 liegt Bocholt über den umliegenden Städten (415); eine weitere Anhebung ist deshalb tabu“, hatte Jürgen Paschold eingangs gefordert. Welsing noch Nebelo planten nach eigenen Angaben weder die Anhebung der Gewerbesteuer noch die der Grundsteuer, „Steuererhöhungen sind die ultima ratio“, sagte der amtierende Bürgermeister.

Ein letztes Thema wurde auch durch einen Beitrag aus dem Publikum vertieft: die digitale Bauakte. Statt vielfach Papier zu kopieren, wäre der Wunsch, notwendige Anträge elektronisch an die Stadt übersenden zu können. Das hatte auch Jürgen Paschold eingangs angeregt: „Stellen Sie sich an die Spitze einer Bewegung hin zur digitalen Verwaltung, die effizient, schnell und kostengünstig ist.“ Mit einer solchen „Digitalen Agenda“, an der Stadt, Hochschule, Wirtschaft und Unternehmerverband gemeinsam arbeiten, würde zum digitalen Alleinstellungsmerkmal. „Damit die Bocholter Unternehmen die Chancen der Digitalisierung nutzen können, sind der Breitbandausbau sowie schnelle Internetverbindungen zwingende Voraussetzung. Dafür muss sich die kommunale Politik stark machen“, lautete dann die abschließende Botschaft an den künftigen Bürgermeister.

Die Unternehmerverbandsgruppe mit ihren sechs Einzelverbänden und ihren rund 700 Mitgliedsunternehmen gehört zu den größten Arbeitgeberverbänden Nordrhein-Westfalens. Mit Sitz in Duisburg reicht ihr angestammtes Verbreitungsgebiet vom westlichen Ruhrgebiet (Duisburg, Mülheim, Oberhausen) über den Kreis Wesel bis an die niederländische Grenze (Kreis Kleve) und ins Münsterland (Kreis Borken). Weitere Informationen bei Jürgen Paschold, Tel. 02871-2369811, oder unter www.unternehmerverband.org 

Die beiden Bürgermeister-Kandidaten im Gespräch mit 45 Unternehmern, die der Einladung des Unternehmerverbands gefolgt waren. Jürgen Paschold (Mitte) formulierte in einem „4-Punkte-Plan“ die Forderungen der Wirtschaft an den künftigen Bürgermeister. (Foto: Unternehmerverband)

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