Auch für Hauptschüler gibt es gute Ausbildungschancen

Doppelte Abiturjahrgänge verdrängen Hauptschüler nicht auf dem Ausbildungsmarkt / Unternehmen suchen gezielt handwerklich Begabte

Die Befürchtung im Jahr des doppelten Abiturjahrgangs war, dass die Abiturienten Haupt- und Realschüler wegen ihrer besseren Qualifikation auf dem Ausbildungsmarkt verdrängen. Die Realität sieht glücklicherweise anders aus: Trotz doppelter Abiturjahrgänge, wie es sie seit 2010 in mehreren Bundesländern und 2013 in NRW gab, haben die Aussichten auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz für Hauptschüler nicht ab-, sondern sogar zugenommen. Das ergab eine Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung, kurz: BIBB. Demnach erhöhte sich der Anteil der Bewerber mit Hauptschulabschluss, die im jeweiligen Vermittlungsjahr erfolgreich in eine betriebliche Ausbildung einmündeten, um 4,4 Prozentpunkte von 27,0 im Jahr 2010 auf 31,4 Prozent im Jahr 2012. Für Bewerber mit Realschulabschluss veränderte sich die Einmündungsquote in eine betriebliche Ausbildung mit jeweils 43,7 Prozent nicht, während sie bei studienberechtigten Bewerbern deutlich um 6,4 Prozentpunkte von 52,1 auf 45,7 Prozent abnahm. „Das bekräftigt unsere Erfahrungen, dass hiesige Betriebe gezielt auch Hauptschülern eine Chance für den Berufseinstieg bieten“, sagt Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes.

Warum Unternehmen auf Hauptschüler als Azubis setzen, hat mehrere Gründe. In vielen Branchen und Berufen herrschen bereits heute Fachkräfteengpässe. Um geeignete Nachwuchs-Mitarbeiter zu rekrutieren, hat sich die Duale Ausbildung bewährt, da die Azubis die Aufgaben und die Unternehmensstruktur von Grund auf kennenlernen. Für viele Ausbildungsberufe ist auch nicht die Eins in Mathe wichtig, sondern vielmehr handwerkliches Geschick und körperliche Einsatzbereitschaft. „Viele Unternehmen setzen auf praktisch begabte Schüler, die auch als fertiger Geselle in der Produktion bleiben und nicht ein Studium aufsatteln wollen“, weiß Wolfgang Schmitz. Hierzu biete etwa die Metall- und Elektroindustrie – in diesem Zweig berät der Unternehmerverband zahlreiche Mitgliedsunternehmen – ausgezeichnete Möglichkeiten, sowohl was Verdienst als auch Karriereaussichten angeht. „Ein ausgelernter Metallarbeiter verdient im Schnitt 50.000 Euro im Jahr. Auf dieses Gehalt kommen bei weitem nicht alle Akademiker nach Abitur und Studium“, rechnet Schmitz vor. Aus der Branche Industrieservice, in der der Unternehmerverband ebenfalls viele Firmen vertritt, kennt der Hauptgeschäftsführer weitere Vorzeige-Beispiele: „Eines unserer Mitgliedsunternehmen setzt nicht nur gezielt auf Hauptschüler, sondern auch auf Langzeitarbeitslose, Menschen mit Behinderung und Frauen in einer Männerdomäne – denn richtig an die Hand genommen und an die Arbeit herangeführt, sind diese Mitarbeiter fast immer besonders loyal und einsatzbereit.“

Ein wenig Wasser muss Wolfgang Schmitz aber in den Wein gießen: „Egal welcher Schulabschluss – grundsätzlich hat die Ausbildungsfähigkeit der jungen Leute nachgelassen. Firmen berichten uns, dass sie seit Jahren die gleichen Einstellungstests machen und immer katastrophalere Ergebnisse erhalten.“ Einerseits, so berichtet Schmitz, könnten junge Leute heute manchmal nicht einmal einen Zinssatz oder die Fläche eines Rechtecks berechnen. Anderseits, so die leidvolle Erfahrung, mangele es den Jugendlichen an Pünktlichkeit und Ehrgeiz, also den vielzitierten „Sekundärtugenden“. Viele Projekte in den Schulen, die auch der Unternehmerverband seit vielen Jahren vorantreibt, widmen sich heute aber verstärkt der Berufsorientierung, was Schmitz sehr begrüßt: „Wir haben seit vielen Jahrzehnten Kontakte in die Schulen. Wenn man dort die breite Palette der Berufsbilder vorstellt, hiesige Ausbildungsbetriebe nennt, für Bewerbungsgespräche fit macht oder Bewerbungsunterlagen durchcheckt, kann man gute Erfolge ernten – und das zum Wohle der Schüler und der Unternehmen.“

Seinen Teil gibt der Unternehmerverband seit vielen Jahren dazu. Fast 50 Jahre lang schon bietet der Unternehmerverband so genannte „Arbeitskreise Schule/Wirtschaft“ in Duisburg, Mülheim, Oberhausen und Bocholt sowie im Kreis Wesel (rechtsrheinisch) an. Dabei kommen Lehrer von der Förderschule bis zum Gymnasium bei Betriebserkundungen mit Unternehmern zusammen und lernen Ausbildungschancen sowie die Anforderungen an die Bewerber kennen. Die Arbeitgeberorganisation bringt zudem regelmäßig das „InfoMobil“ – einen High-Tech-Bus als Berufs-Informationszentrum auf Rädern – auf hiesige Schulhöfe. Für Schüler der gymnasialen Oberstufe bietet der Verband zudem das „Duale Orientierungspraktikum“ in Bocholt, Oberhausen, Mülheim, Duisburg und im Kreis Wesel an, bei dem technischen Berufe von akademischer und praktischer Seite vorgestellt werden. Außerdem ist der Schülerwettbewerb „Schüler macht MI(N)T!“ zu nennen, der sich seit 2005 mit großem Erfolg an Schüler unterschiedlicher Jahrgangsstufen richtet und technische Ideen auszeichnet. Nicht zuletzt läuft seit 2008 auch das Verbands-Schulprojekt „Vertiefte Berufsorientierung“ mit Unterstützung der regionalen Arbeitsagenturen, an dem jährlich über 5.000 Schüler aus 36 hiesigen Schulen teilgenommen haben. Dabei wird den Schülern der Blick in die Vielfalt der Arbeitswelt ermöglicht – z. B. bei Betriebserkundungen und -praktika, Workshops, Unternehmensvorstellungen, Berufe-Parcours, Bewerbertagen und Projektwochen.

 

Die Unternehmerverbandsgruppe mit ihren sechs Einzelverbänden und ihren rund 700 Mitgliedsunternehmen gehört zu den größten Arbeitgeberverbänden Nordrhein-Westfalens. Mit Sitz in Duisburg reicht ihr angestammtes Verbreitungsgebiet vom westlichen Ruhrgebiet (Duisburg, Mülheim, Oberhausen) über den Kreis Wesel bis an die niederländische Grenze (Kreis Kleve) und ins Münsterland (Kreis Borken). Die Schwerpunkte der Beratung liegen in Arbeitsrecht, Tarifpolitik und Arbeitswirtschaft.

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes (Foto: Unternehmerverband)

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