Unternehmer kritisieren „Eigentore“ am Standort NRW

Mit „Wie kommt NRW aus der Abstiegszone?“ hatte der Unternehmerverband für seinen traditionellen Winter-Unternehmertag bereits einen pointierten Titel gewählt. Mehr als 300 Gäste begrüßte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmerverbandes, Wim Abbing, um über die Zukunft des Standorts Nordrhein-Westfalen zu diskutieren. Abbing fand deutliche Worte für die Probleme des größten Bundeslandes: „Beim Wachstum liegt Nordrhein-Westfalen auf dem drittletzten Platz. Und dem nicht genug: Vorletzter beim aktuellen Bildungsmonitor, Vorletzter aller Flächenländer bei der Pro-Kopf-Verschuldung und ebenso ein vorletzter Platz bei der Arbeitslosigkeit im Vergleich der westdeutschen Bundesländer.“ Es gehe nicht darum, den Standort schlecht zu reden oder die Leistung der hier hart arbeitenden Menschen zu relativieren. Aber es gehe schon darum, Probleme zu benennen, um sie dann auch zu lösen.

Abbing beklagte die „Eigentore“ der Landespolitik, die fast immer im Netz der Unternehmer landeten. Seine Kritik machte Abbing konkret: Das sogenannte Hochschulzukunftsgesetz führe zurück in die Vergangenheit. Das neue Tariftreue- und Vergaberecht beschere den Unternehmen nichts als Bürokratie. Und Steuererhöhungen machten den Standort immer unattraktiver. „Mit der Formel ‚alles prima in NRW‘ kommen wir derzeit also nicht weiter“, folgerte Abbing. Aus dem Tabellenkeller komme man nicht allein durch „Schönspielen“, sondern „mit vielen Sondereinheiten beim Training und einer neuen Taktik“.

Für den Gast des Abends, den CDU-Oppositionsführer im nordrhein-westfälischen Landtag, hatte Abbing trotz der gemeinsamen Kritik an der Politik der NRW-Landesregierung aber nicht nur harmonische Worte parat. Als stellvertretender Bundesvorsitzender und damit Vize von Angela Merkel in der CDU musste sich Laschet auch Kritik der Unternehmer an der Arbeit der großen Koalition in Berlin gefallen lassen. „Politik hat die Aufgabe, nach vorne zu denken, Überzeugungsarbeit zu leisten, auch das Unpopuläre durchzusetzen – und das vermisse ich aktuell.“ Abbing wünscht sich, dass die Politik in Deutschland wieder den Mut findet, langfristig zu denken. „Wo kommt der Wohlstand von morgen her? Das muss die Frage sein. Von der Kurzfrist-Politik, die nur auf die wichtigsten Wählergruppen und deren Befriedigung schaut, hatten wir in den vergangenen Monaten genug“, so der Unternehmer mit Hinweis auf Beschlüsse wie Rente mit 63 und Mütterrente.

Seit 2005, so auch diesmal, wird im Rahmen der Veranstaltung auch der Unternehmerpreis „Der Traum vom Fliegen“ vergeben. Ausgezeichnet mit diesem Überraschungspreis wird herausragendes unternehmerisches Engagement. „Der diesjährige Preisträger ist ein Duisburger Junge durch und durch und sagt voller Überzeugung: Duisburg ist die schönste Stadt der Welt“, machte Wim Abbing es in seiner Laudatio zunächst spannend. „Von seiner Hartnäckigkeit profitieren vor allem junge Leute. Bildung und Ausbildung sind für ihn mehr als Steckenpferde.“ Als Abbing schließlich fortfuhr: „Er ist Botschafter der Binnenschifffahrt. Die Werbung für das System Wasserstraße ist seine Berufung“ verdichtete sich das Bild und ließ schließlich nur einen möglichen Preisträger zu: den Vorsitzenden der Schifferbörse und Mitglied im Vorstand des Unternehmerverbandes Ruhr-Niederrhein, Frank Wittig.

Preisträger Wittig bedankte sich in seiner ersten Reaktion vor allem bei seinem Bruder Ralf. „Wenn er mir nicht ständig den Rücken freihalten würde, könnte ich mich nicht in dieser Form engagieren“. Er hoffe, dass der Preis auch für andere Unternehmer Ansporn ist, es ihm gleich zu tun und sich in der Gesellschaft einzubringen.

Bildergalerie

Weitere Bilder von den Gästen, dem Empfang, dem offiziellen Teil und dem gemütlichen Ausklang finden Sie hier in der Bildergalerie.

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Video-Reportage

Studio 47 hat den Unternehmertag begleitet. Reden, Interviews und Impressionen finden Sie in dieser Video-Reportage: