Neue Chancen für Schüler, aber noch weite Strecke bis zum Ziel

200 Teilnehmer bei Veranstaltung im HAUS DER UNTERNEHMER zu neuem Übergangsystem Schule – Beruf

Das neue Übergangssystem „Kein Abschluss ohne Anschluss – Übergang Schule – Beruf in NRW“, steht in den Startlöchern, um allen Schülern eine systematische, flächendeckende und individuelle Berufsorientierung zukommen zu lassen. Mit „alle“ sind Schüler von Jahrgang 8 bis zum Schulabgang gemeint, und das quer durch alle Schulformen, also von der Förderschule bis zum Gymnasium. Dieses Ziel haben sich die Partner des Ausbildungskonsenses, das sind Bundesagentur für Arbeit, Land, Kommunen und Wirtschaft, gesetzt. „Wir begrüßen die Landesinitiative, denn wir sehen mit Sorge, dass der Übergang von der Schule in die heute komplexe Ausbildungs- und Studienlandschaft oft nur mit Mühe und Zeitverlust gelingt“, sagt Elisabeth Schulte, Geschäftsführungsmitglied des Unternehmerverbandes und dort verantwortlich für das Thema.

Weil für die praktische Umsetzung sowohl auf Seiten der Schulen als auch der Wirtschaft viele Fragen auftreten, lud der Unternehmerverband nun zu einer Podiumsdiskussion in das HAUS DER UNTERNEHMER in Duisburg ein. Dabei stellten Experten aus Arbeitsagentur, Land, Bezirksregierung, Kommune und Wirtschaft das neue Übergangssystem praxisnah vor, beantworteten vertiefende Fragen und zeigten konstruktive Lösungen für die Umsetzung auf. Wie groß der Informationsbedarf hierzu ist, zeigte die Resonanz: Der Einladung des Unternehmerverbandes folgten 200 Teilnehmer – angesprochen waren Lehrer der Arbeitskreise Schule/Wirtschaft des Unternehmerverbandes sowie Ausbilder und Personalverantwortliche aus den Mitgliedsfirmen.

Was beinhaltet also das Übergangsystem Schule – Beruf? Nach einer Potenzialanalyse in Jahrgang 8 sollen im selben Jahrgang drei Berufsfelderkundungen erfolgen, die auf ein passgenaues Betriebspraktikum in Klasse 9 hinführen. Oberstufenschüler erhalten Unterstützung bei der Wahl des Studienfaches, und letztlich soll kein Schüler die Schule verlassen ohne konkret formulierte Schritte in das neue Leben.

„Aber bis zum Ziel ist noch ein weiter Weg zu bewältigen“, warnte Schulte und rechnete exemplarisch für das Unternehmerverbandsgebiet vor, was die flächendeckende Berufsfelderkundung für Achtklässler bedeutet: „Rund 10.000 Schüler mal drei Tage pro Jahr macht 30.000. So viele Tage müssten die Lehrer organisieren und sich hiesige Firmen im Betrieb um Schüler kümmern. Wie soll das gehen?“ Schon jetzt leisten die Firmen viel, um Jugendlichen ihre Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten vorzustellen, betonte Schulte: Sie treten auf Ausbildungsmessen auf, machen bei Schulprojekten mit, schließen Partnerschaften mit den Schulen, laden zum Girls` und Boys`-Day ein oder veranstalten Schülerwettbewerbe. Daher plädiert Schulte für mehr Variationsmöglichkeiten bei der Art und Weise der Umsetzung: Bei größerer Flexibilität statt einheitlicher Berufsfelderkundungen werde es auch gelingen, mehr Unternehmen für die Berufsorientierung zu gewinnen, aber eben je nach ihren Möglichkeiten.

Das Podium bei der Diskussionsveranstaltung des Unternehmerverbandes besetzten Christiane Fern (Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Oberhausen), Britta Russack (Leiterin der Koordinierungsstelle Bildung, Stadt Mülheim), Richard Stigulinszky (Leitender Ministerialrat, Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW), Gerhard Mayer (Leitender Regierungsschuldirektor, Bezirksregierung Düsseldorf), Christofer Godde (Regierungsdirektor, Berufliche Ausbildung und Übergangssystem, Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW) sowie Ferdinand Walbaum (Siemens AG, Energy Sector, Leiter der Aus- und Weiterbildung, Mülheim).

Alle Diskussionsteilnehmer sehen im neuen Übergangssystem eine große Chance, auch wenn sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf das Thema schauen. So wünscht sich Ferdinand Walbaum von Siemens, dass man nicht nur einseitig Erwartungen an die Industrie formuliert. Es gebe bei vielen Schülern erhebliche Defizite bei den immer wichtiger werdenden sozialen Kompetenzen, aber auch bei den klassischen Disziplinen wie Kopfrechnen und Schreiben. Auch würde er sich darüber freuen, wenn noch mehr Lehrer in seinen Betrieb „hineinschnupperten“. Diese Praxiserfahrung sei gerade für Pädagogen wichtig, denn auf sie komme eine immer größere Verantwortung auch im Bereich der Berufsvorbereitung zu.

Die Vertreter der Ministerien und Bezirksregierung warben beim neuen Übergangssystem Schule – Beruf auch um Geduld. Man werde ein so großes Vorhaben nicht von heute auf morgen schultern können. Die Partner im Ausbildungskonsens seien guten Willens, aber die Aufgabe, sich an alle Schulen und an Schüler zu wenden, sei eben auch gigantisch. Im Übrigen sei Nordrhein-Westfalen das einzige Flächenland, das systematisch und flächendeckend die Berufsvorbereitung angehe. Dieses Übergangssystem sei notwendig und richtig im Sinne der Berufs- und Ausbildungschancen der Schüler, aber auch „Neuland“. Der Vertreter der Bezirksregierung nahm seine „vorgesetzte Behörde“, das Land NRW, in die Pflicht. Wichtig sei, dass die Mittel für die wichtigen Studien- und Berufswahlkoordinatoren an den Schulen nicht mehr aus dem Lehrer-Etat abgezweigt werden, sondern direkt vom Land bezahlt würden. Hier stünden nun allerdings 510 Planstellen in Aussicht.

Für die Agentur für Arbeit appellierte Christiane Fern an die Unternehmen, ihre aus dem neuen Übergangssystem Schule – Beruf resultierenden Chancen zur Fachkräftesicherung zu erkennen und zu nutzen. Als Agentur für Arbeit habe man die „treibende Rolle“ beim Thema entschlossen angenommen. „Es gilt aber, je betriebsnäher desto besser“, so Fern. Die Orientierung hin zur Ausbildung gelinge nur, wenn die Schüler praktische Anwendungserfahrungen machen können. Britta Russack von der Stadt Mülheim an der Ruhr wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es wichtig sei „vor Ort“ das neue Übergangssystem mit Leben zu erfüllen. Vor Ort seien die Betriebe und die Ausbildungschancen, lokale Netzwerke zwischen Wirtschaft, öffentlicher Hand und Schulen seien entscheidend für das Gelingen.

Einig war sich die Runde, dass bei Schülern insgesamt das Spektrum der Berufs- und Ausbildungschancen erweitert werden müsse. „Der Wert der dualen Ausbildung muss dreifach unterstrichen werden“, so Richard Stigulinszky vom NRW-Schulministerium, der damit für das ganze Podium sprach. Die zunehmende Akademisierung sei zum Teil nicht unproblematisch. Facharbeiterberufe hätten eine große Bedeutung für die Wirtschaft und böten vielfältige Chancen für junge Leute.

Der Unternehmerverband berät seine Mitgliedsunternehmen im Arbeitsrecht und gestaltet Arbeitsbedingungen mit und ohne Tarifvertrag. Mit regionalem Schwerpunkt an Rhein und Ruhr – in den Städten Duisburg, Mülheim, Oberhausen und Wesel – bis ins Westmünsterland hinein vertritt der Arbeitgeberverband die Interessen von 700 Firmen bundesweit.

Anlagen:

  1. Flyer Berufsfelderkundungen
  2. Flyer "Kein Abschluss ohne Anschluss - Übergang Schule - Beruf in NRW"
Einigkeit im Ziel, aber durchaus unterschiedliche Perspektiven bot die Podiumsrunde beim Unternehmerverband (v.l.n.r.): Christofer Godde (Arbeitsministerium), Brita Russack (Stadt Mülheim), Ferdinand Walbaum (Siemens), Elisabeth Schulte (Unternehmerverband), Richard Stigulinszky (Schulministerium), Christiane Fern (Agentur für Arbeit) und Gerhard Mayer (Bezirksregierung) (Foto: Unternehmerverband)

Ansprechpartner

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