„Der Duisburger Norden braucht Aufmerksamkeit!“

Der 4. Mercator-Treff von Wirtschaft für Duisburg zeigte, dass Händler und soziale Initiativen in Marxloh und Co. sich allein gelassen fühlen. Der Unternehmerverband fordert nachhaltige städtische Unterstützung für erfolgreiche Projekte.

Es gibt sie, die positiven Initiativen und Projekte mit Strahlkraft im Duisburger Norden“, zog Alexander Kranki, Vorsitzender von Wirtschaft für Duisburg, Bilanz beim 4. Mercator-Treff des Verbands in den Räumen der Grillo-Werke. „Aber sie brauchen mehr langfristige Unterstützung. Unternehmen vor Ort engagieren sich, aber sie können nicht unbegrenzt öffentliche Aufgaben übernehmen. Initiativen, die lokal wirken und die regional oder sogar bundesweit auf das Image der Stadtteile – und damit letztlich der gesamten Stadt – einzahlen, müssen nachhaltig gefördert werden.“ Hier sieht Kranki ausdrücklich auch die Stadt in der Verantwortung. „Ohne den Norden wird es in Duisburg keinen dauerhaften Aufschwung geben. Deshalb braucht er Aufmerksamkeit!“

Stein des Anstoßes waren die Bestandsaufnahme des Werberings Marxloh und besonders die Situation des Vereins „Tausche Bildung für Wohnen“, ebenfalls aus Marxloh, dessen Gründerin Christine Bleks ein bitteres Fazit zog: „Es wird einfach nicht genug in die Menschen investiert.“ Ihr vielfach mit Preisen ausgezeichnetes Bildungsprojekt, über das Medien schon häufig bundesweit sehr positiv berichteten, steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Bis zum Sommer muss Bleks alle vier festangestellten Mitarbeiter des Führungs- und Entwicklungsteams entlassen. Die Standorte müssen dann durch die Standortleitungen in Selbstverwaltung geführt werden, weil sonst die Existenz des kompletten Vereins gefährdet ist.

Mehr als 540 Kinder aus Marxloh haben von dem gemeinnützigen Projekt bereits profitiert: Die Kinder entwickeln mehr Selbstvertrauen, haben bessere Noten, bessere Abschlüsse und ein wertschätzenderes Sozialverhalten. „Wir erledigen hier doch staatliche, städtische Aufgaben, ohne für dafür ausreichend Geld zum Überleben zu bekommen. Wir bekommen einfach keine nachhaltige Finanzierung hin“, sagte Bleks.

„Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, dass wir in Duisburg die Themen Nachhaltigkeit und Image neu denken müssen“, so Kranki. „Beides hängt eng zusammen.“ Das Image einer Stadt sei heute einer der maßgeblichen Standortfaktoren. Wenn Duisburg attraktiv für die Ansiedlung neuer Unternehmen werden wolle, müsse an beidem intensiv gearbeitet werden – um langfristig mehr Einnahmen für die Stadt zu generieren. „Stadtteile sind vielfach wegweisend für das Image einer ganzen Stadt – im Guten wie im Schlechten.“ Während Marxloh und Co. heute bundesweit als Beispiele für typisch großstädtische Probleme herhalten müssten und damit dem Duisburger Image Schaden zufügten, könne der Norden zukünftig – konsequent angegangen – als Beispiel für gelungene urbane Erneuerung besonders positiv zu Duisburgs Image beitragen.

„Dazu bedarf es keines Aktionismus, sondern einer ehrlichen Bestandsaufnahme aller Projekte und Initiativen im Duisburger Norden und einer gezielten Förderung erfolgreicher Ansätze. Die Stadt muss sich und ihre finanziellen Mittel auf das konzentrieren, was erwiesenermaßen funktioniert und etwas verändert“, forderte Kranki.

Auch Selgün Calisir, Vorsitzender des jüngst gegründeten Werberings Marxloh, beklagte die mangelnde Rückendeckung für die nördlichen Stadtteile. „Wir spüren kein Miteinander in der Stadt, es wird immer wieder ein Keil in die Gesellschaft getrieben: hier der reiche Süden, dort der arme Norden. Aber wir sind eine Stadt und wir kommen nur gemeinsam weiter. Deshalb möchten wir, dass alle dagegenhalten, wenn mal wieder tief in die Kiste mit negativen Vorurteilen gegriffen wird. Wir haben in Marxloh Potenzial.“

Das sah auch Ercan Idik, Mitarbeiter im Fachbereich Lokale Ökonomie bei der EG DU (Entwicklungsgesellschaft Duisburg) so. Er berichtet von wichtigen Stadtentwicklungsprojekten im Duisburger Norden: dem Friedrichpark, der Rhein-Ruhr-Halle und dem ehemaligen Stadtbad an der Duisburger Straße. „Das sind drei Projekte mit großer Bedeutung für Entwicklung der nördlichen Stadtteile.“ Zusammen mit dem Leitprojekt Campus Marxloh, geplante Eröffnung 2022, soll Marxloh zu einem Bildungsstandort gemacht werden. „Aber Infrastruktur ist das eine, grundsätzlich braucht der Norden eine deutlich stärkere Lobby.“

Bei Ulrich Grillo, dem Vorstandsvorsitzenden der Grillo-Werke, stieß er damit auf offene Ohren. „Wir sind seit 1849 in Duisburg und gerne an unserem Standort in Marxloh“, sagte Grillo. Das Unternehmen beschäftigt in Duisburg rund 550 Mitarbeiter und engagiert sich auf vielfältige Weise, u.a. über Stiftungen, und arbeitet eng mit der Herbert Grillo-Gesamtschule zusammen. „Bildung liegt uns besonders am Herzen. Wir wollen Kinder für Naturwissenschaften begeistern – das braucht ganz Deutschland. Auch von Marxloh gehen positive Signale aus. Das darf nicht ignoriert werden.“

Ulrich Grillo, Alexander Kranki und Dr. Marcus Korthäuer (v.l.) (Foto: Unternehmerverband)
Alexander Kranki, Vorsitzender Wirtschaft für Duisburg (Foto: Unternehmerverband)

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