#SozialwirtschaftamLimit: Jetzt Kurswechsel bei Finanzierung und Bürokratie
Die Sozialwirtschaft steht unter wachsendem Druck. Während Politik und Leistungsträger immer neue Vorgaben formulieren, fehlen vielerorts verlässliche Finanzierung, pragmatische Verfahren und ausreichend Handlungsspielräume.
„Die Folgen spüren nicht nur die Träger, sondern vor allem die Menschen, die auf Pflege, Teilhabe, Bildung und soziale Unterstützung angewiesen sind“, machte Michael Reichelt, Vorstandsvorsitzender des Unternehmerverbandes Soziale Dienste und Bildung und im Hauptamt Geschäftsführer der Lebenshilfe Duisburg, auf der Mitgliederversammlung deutlich.
Elisabeth Schulte, Geschäftsführerin des bundesweiten Arbeitgeberverbandes, ergänzte: „Unsere Mitgliedsunternehmen übernehmen jeden Tag Verantwortung für Pflege, Teilhabe, Bildung und soziale Unterstützung. Sie sorgen dafür, dass gesellschaftlich wichtige Leistungen erbracht werden.“ Deshalb sei es ihr wichtig, aus der Praxis die Missstände offen anzusprechen, praktikable Lösungen vorzuschlagen und bei den Unternehmen keine falschen Erwartungen zu wecken.
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Die Statements der Verbandsmitglieder


"Zwei Behörden für dieselbe Aufgabe sind Vernichtung von Steuergeld, die sich die Gesellschaft nicht länger leisten kann.", sagt Michael Reichelt, Geschäftsführer der Lebenshilfe Duisburg.
Zwei Landschaftsverbände. Zwei Regelwerke. Zwei Verfahren. Aber dieselbe Aufgabe.
Während die Politik über Einsparungen spricht, leistet sich NRW doppelte Strukturen. Für soziale Träger bedeutet das mehr Bürokratie, mehr Abstimmungen und mehr Zeitverlust.
Wir brauchen endlich:
- einen Landschaftsverband für ganz NRW
- einheitliche Standards
- klare Zuständigkeiten
Jeder Euro, der in Doppelstrukturen fließt, fehlt bei den Menschen, die Unterstützung benötigen.
Statement von Verena Birnbacher


“Der wahre Fachkräftemangel beginnt dort, wo Fachkräfte Formulare statt Menschen betreuen.”, sagt Verena Birnbacher, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Oberhausen gGmbH.
Jede Stunde Bürokratie ist eine Stunde weniger für Menschen.
Immer mehr Fachkräfte verbringen ihre Zeit mit Anträgen, Formularen, Dokumentationen und Verwendungsnachweisen.
Die bittere Wahrheit:
- Die Bürokratie wächst schneller als der Nutzen.
Wer über Fachkräftemangel spricht, darf nicht akzeptieren, dass wertvolle Arbeitszeit am Schreibtisch verloren geht. - Bürokratieabbau muss endlich messbar werden – nicht nur ankündigt werden.
Statements von Petra Rathofer


"Wer gute Arbeit fordert, muss ihre Finanzierung sichern.", sagt Petra Rathofer, Geschäftsführerin von Evangelische Dienste Duisburg gGmbH
Tarifbindung fordern, Finanzierung verweigern – das passt nicht zusammen.
Politik und Kostenträger erwarten:
- wettbewerbsfähige Entgelte
- praktikable Standards
- mehr Leistungen für den Menschen
Das unterstützen wir.
Aber dann müssen Entgelterhöhungen, Investitionen und gesetzliche Vorgaben auch vollständig refinanziert werden.
Wer Qualität bestellt, muss Qualität bezahlen.
Alles andere produziert Defizite – und gefährdet Versorgungsangebote.
Statement von Elisabeth Schulte


"Wer lebenswichtige soziale Infrastruktur kaputtspart, spart an den falschen Stellen.", sagt Elisabeth Schulte, Geschäftsführerin des Unternehmerverbandes Soziale Dienste und Bildung
Die Sozialwirtschaft ist kein Kostenfaktor. Sie ist Teil der Daseinsvorsorge.
Wenn existentielle Angebote wegfallen, entstehen die Probleme nicht später – sie entstehen sofort.
- Menschen verlieren Unterstützung.
- Familien werden belastet.
- Kommunen müssen einspringen.
Wer existentielle soziale Infrastruktur kaputtspart, zahlt am Ende einen höheren Preis.
Deshalb sprechen wir Missstände offen an.
Statement von Michael Reichelt


"Vertrauen schafft Wirkung. Misstrauen schafft Bürokratie.", sagt Michael Reichelt, Geschäftsführer der Lebenshilfe Duisburg
Vertrauen statt Dauerprüfung.
Soziale Einrichtungen arbeiten im Auftrag des Staates. Trotzdem entstehen immer neue Kontrollen, Nachweise und Prüfverfahren. Digitalisierte Verwaltungsprozesse fehlen gänzlich.
Unser Vorschlag:
- Bedarfsermittlung, Bewilligung der Leistungen und Kontrolle der Ausgaben organisatorisch trennen
- doppelte Prüfungen abschaffen
- Prüfergebnisse zwischen Behörden nutzen
Das spart Zeit, Geld und Nerven – ohne die Qualität zu gefährden.
Mehr Vertrauen. Weniger Bürokratie. Mehr Unterstützung für die Menschen.
Statement von Verena Birnbacher


“Hilft diese Regel den Menschen – oder nur der Verwaltung?”, sagt Verena Birnbacher, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Oberhausen gGmbH.
Nicht jede Vorschrift macht das Leben der Menschen besser.
Neue Regeln sollten künftig nur noch eine Frage beantworten müssen:
Welchen konkreten Nutzen haben sie für die Menschen, die Unterstützung brauchen?
Wenn der Nutzen nicht erkennbar ist, gehört die Vorschrift auf den Prüfstand.
Wir brauchen einen Sozialstaat, der Wirkung fördert – nicht Papier.
Statements von Petra Rathofer


"Gute Pflege entsteht nicht durch Sparvorgaben, sondern durch verlässliche Finanzierung.", sagt Petra Rathofer, Geschäftsführerin von Evangelische Dienste Duisburg gGmbH
Soziale Infrastruktur braucht Verlässlichkeit.
Niemand würde von einem Unternehmen erwarten, dauerhaft ohne Planungssicherheit zu arbeiten.
Warum verlangen wir das von Pflege, Eingliederungshilfe und sozialen Diensten?
Wir brauchen:
- dynamische Finanzierung
- Anerkennung realer Kostenentwicklungen
- verlässliche Investitionsförderung
Nur so entstehen gute Arbeitsbedingungen und eine stabile Versorgung.
Statement von Elisabeth Schulte


"Leistung muss bei den Menschen ankommen – nicht in der Verwaltung hängen bleiben.", sagt Elisabeth Schulte, Geschäftsführerin des Unternehmerverbandes Soziale Dienste und Bildung
Der Sozialstaat steht an einem Wendepunkt.
Die Träger der Sozialwirtschaft sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.
Dafür brauchen sie:
- verlässliche Finanzierung
- weniger Bürokratie
- echte Partnerschaft mit Politik und Kostenträgern
Unser Ziel ist kein größeres System.
Unser Ziel ist ein besseres System – eines, in dem mehr Geld bei den Menschen ankommt und weniger in Verwaltungsstrukturen verschwindet. Die Prioritätensetzung muss stimmen.
Dafür brauchen die Träger mehr unternehmerischen Handlungsspielraum.
Ihre Ansprechpartner


Elisabeth Schulte
Geschäftsführerin des Unternehmerverbandes Soziale Dienste und Bildung
Mitglied der Geschäftsführung Unternehmerverbandsgruppe


