Im Interview mit dem [uv]magazin rekapitulieren wir die wichtigsten Standpunkte zu Reformen, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunft des Standorts Deutschland.

[uv]magazin: Ihre Keynote stand unter dem Titel „Wer zu spät reformiert, den bestraft die wirtschaftliche Entwicklung“. Warum ist diese Botschaft gerade jetzt so wichtig?

Steffen Kampeter: Weil Politik immer mit der Realität beginnen muss. Und die Realität ist: Deutschland wächst nicht mehr. Viele unserer Probleme sind nicht neu und auch nicht ausschließlich durch äußere Krisen verursacht. Sie bestehen seit Jahren. Deshalb sind Reformen keine Belastung, sondern die Voraussetzung für Wachstum, Wohlstand und Stabilität.

[uv]magazin: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Steffen Kampeter: Besonders besorgniserregend ist der Arbeitsmarkt. Monat für Monat gehen in der Industrie und anderen Bereichen der gewerblichen Wirtschaft tausende Arbeitsplätze verloren. Das betrifft nicht nur die Unternehmen selbst, sondern auch Wertschöpfung, Steuereinnahmen und die Finanzierung unserer sozialen Sicherungssysteme. Deshalb gilt: Arbeit schafft Wachstum.

[uv]magazin: Verfügt Deutschland über ausreichend starke Unternehmen?

Steffen Kampeter: Absolut. Deutschland ist in vielen Bereichen weiterhin spitze. Unsere Hidden Champions, der Mittelstand und die Innovationskraft vieler Unternehmen genießen weltweit einen hervorragenden Ruf. Darauf können wir stolz sein. Aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen.

[uv]magazin: Inwiefern?

Steffen Kampeter: Nehmen wir die Investitionsdynamik. Zu viele Investitionen dienen inzwischen nur noch dazu, bestehende Strukturen zu erhalten. Es wird zu wenig in neue Produkte, Technologien und Märkte investiert. Dabei gilt: Ohne Investitionen gibt es keine Produktivitätsfortschritte, und ohne Produktivitätsfortschritte gibt es kein dauerhaftes Wachstum. Es ist die Verantwortung der Politik, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Unternehmen wieder stärker in Innovation, Produktion und Wachstum investieren können.

[uv]magazin: Was erwarten Sie von der Politik?

Steffen Kampeter: Vor allem Klarheit und Entschlossenheit. Häufig scheitern notwendige Entscheidungen nicht am fehlenden Wissen, sondern an politischen Blockaden. Unsere Botschaft ist klar: Deutschland kann mehr, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

[uv]magazin: Welche Rahmenbedingungen sind das im Besonderen?

Steffen Kampeter: Wir brauchen mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt, einen reformierten Sozialstaat und einen konsequenten Bürokratieabbau. Gleichzeitig müssen die Kosten für Unternehmen begrenzt werden. Die Sozialversicherungsbeiträge steigen immer weiter. Zudem gilt: Die Schulden von heute sind die Steuererhöhungen von morgen.

[uv]magazin: Kernpunkt Ihrer Kritik ist und bleibt der fehlende Bürokratieabbau. Warum?

Steffen Kampeter: Weil die Belastung für Unternehmen inzwischen enorm ist. Gerade kleine und mittlere Betriebe binden wertvolle Kapazitäten für Dokumentations- und Berichtspflichten, die an anderer Stelle fehlen. Deshalb habe ich bewusst gesagt: Bürokratie frisst Wachstum. Unternehmen brauchen spürbare Entlastungen im Alltag.

[uv]magazin: In Ihrer Keynote war der Begriff „Standortpatriotismus“ zentral. Was verstehen Sie darunter?

Steffen Kampeter: Die meisten Unternehmerinnen und Unternehmer wollen in Deutschland investieren, Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen. Wir sind Standortpatrioten. Aber dieses Bekenntnis darf nicht durch schlechte Rahmenbedingungen bestraft werden. Arbeit in Deutschland muss attraktiv, bezahlbar, flexibel und produktiv bleiben.

[uv]magazin: Ihr Fazit?

Steffen Kampeter: Wir sind überzeugt von den Stärken unseres Landes. Und gerade deshalb müssen wir Arbeitgeber die Probleme offen benennen. Wer Risiken ignoriert, macht sie nicht kleiner. Wettbewerbsfähigkeit ist die Voraussetzung für Arbeitsplätze, Investitionen und Wohlstand.

Das Interview führte Geraldine Klan.

Unternehmertag 2026

Hier finden Sie einen Rückblick auf den besondernen Tag inklusive Fotos und unserem Highlightfilm 

Zu den Highlights

Kontakt zur Autorin

Geraldine Klan

Referentin