„Wir stehen in Europa am Scheideweg.“

Unternehmerverband: Am 26. Mai wählen gehen und Europa stärken / Interview mit Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer Unternehmerverband, zur Europawahl am 26. Mai 2019

Herr Schmitz, allenthalben werben Verbände und Institutionen dafür, am 26. Mai wählen zu gehen. Warum dieser Eifer?
Wir stehen vor großen Herausforderungen – weltweit. Nicht nur mir persönlich machen zunehmender Nationalismus und Protektionismus große Sorgen. In vielen, vielen Gesprächen bekomme ich schon seit einiger Zeit von Unternehmern, Geschäftsführern, aber auch Arbeitnehmern ähnliche Befürchtungen gespiegelt. Nach Jahrzehnten der Kontinuität und Stabilität deuten aktuelle Umfragen darauf hin, dass Europagegner von links und rechts künftig in Summe zur großen Verhinderungskraft im Europäischen Parlament werden können. Das ist eine reale Gefahr. Wir stehen in Europa am Scheideweg – deshalb werben wir mit Nachdruck dafür, zur Wahl zu gehen und Europa zu stärken. Es kommt auf jede Stimme an.

Wo sehen Sie im Detail Gefahren?
Abschottung hat noch nie zu mehr Wohlstand und Frieden und Freiheit geführt. Was sich so selbstverständlich anhört, ist leider bei vielen aus dem Fokus geraten. Weil wir uns an die Vorzüge der europäischen Einigung gewöhnt haben. Sie sind aber nicht selbstverständlich, sondern das Ergebnis eines steinigen und langen Prozesses, der seinen Ursprung in den schlimmen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges hat. Wir leben dank der europäischen Einigung seit nunmehr 75 Jahren in Frieden, eine solch lange Periode ohne Krieg und Auseinandersetzungen hat es auf unserem Kontinent zuvor noch nie gegeben. Dieses Erbe macht Europa so wertvoll. Es wäre töricht, die vielen Errungenschaften in der EU leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

Als Vertreter eines Unternehmerverbands denken Sie bei Errungenschaften sicher an wirtschaftliche Aspekte…
Natürlich auch, weil wirtschaftliche Prosperität und gesellschaftliche Stabilität Hand in Hand gehen. Die Vertiefung des Binnenmarkts, Freihandel, ein stabiler Euro, Arbeitnehmerfreizügigkeit, eine gemeinsame Energie- und Klimapolitik, Digitalisierung, Forschung und Entwicklung auf europäischer Ebene – das sind nur einige Beispiele, wo wir uns geschlossen als Europäer positionieren müssen. Machen wir uns nichts vor: Wenn wir in Europa nicht zusammenstehen, werden wir allein, jeder für sich, zwischen den großen Wirtschaftsblöcken in Amerika und Asien über kurz oder lang zerrieben. Schauen wir nur auf das Beispiel Deutschland: Schon bald stellen wir weniger als 1 Prozent der Weltbevölkerung. Allein das zeigt doch, dass wir nur gemeinsam mit unseren europäischen Partner überhaupt noch die Chance haben, auch zukünftig international gehört zu werden.

Wie überzeugen Sie Europa-Skeptiker?
Mit Zahlen. Nehmen wir das Beispiel Binnenmarkt: Europa ist Nordrhein-Westfalens Heimatmarkt. Hier verkaufen wir den Löwenanteil unserer Waren und Dienstleistungen. Allein 65 Prozent der nordrhein-westfälischen Exporte gehen in die Staaten der EU. Der Europäische Binnenmarkt sichert durch Freizügigkeit von Personen, Dienstleistungen, Waren und Kapital Wohlstand und Arbeitsplätze in NRW.

Das reicht, um aus Skeptikern Befürworter zu machen?
Nein, natürlich nicht. Neben Zahlen braucht es auch Leidenschaft. Und deshalb gehört es in Diskussionen für mich auch dazu, den Finger in die Wunde zu legen. Europa ist nicht perfekt. Wer das behauptet, wird niemanden überzeugen, weil es nicht stimmt. Aber Europa ist auch nicht fertig, sondern verändert sich kontinuierlich. Das heißt nichts anderes, als das wir jederzeit die Chance haben, Europa besser zu machen. Aus diesem Bewusstsein kann man eine Menge Optimismus ziehen und am 26. Mai mit dem richtigen Kreuz Europa stärken.

Der Unternehmerverband wird in den kommenden Wochen die europäischen Perspektiven regelmäßig zum Thema machen, etwa auf Facebook (@unternehmerverband.org) und Twitter (@Unternehmerver1). Am 6. Mai ist zudem ein Parlamentarischer Abend mit Europapolitikern im HAUS DER UNTERNEHMER geplant.

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes(Foto: Unternehmerverband)

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