Von schrumpfender MINT-Lücke nicht täuschen lassen

MINT-Lücke geht im April um 50 Prozent zurück

Der Wirtschaftseinbruch infolge der Corona-Krise lässt die so genannte MINT-Lücke schrumpfen – das geht aus dem neuen Frühjahrsreport hervor, den das Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW) zweimal jährlich erarbeitet. Demnach verringerte sich die MINT-Lücke im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 51 Prozent auf 152.600. Gegenüber dem langjährigen Durchschnitt aus den Jahren 2014 bis 2019 ergibt sich für den Monat April ein Rückgang um 29 Prozent.

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, warnt davor, sich von diesen Zahlen täuschen zu lassen. „Die Corona-Krise führt kurzfristig zu einer geringeren Nachfrage nach MINT-Fachkräften. Die Krise hat aber noch einmal in den Fokus gerückt, wie dringend wir diese Experten brauchen“, so Schmitz. Beispielsweise im Bereich der digitalen Bildung habe man vieles versäumt, wie die Situation an den Schulen in den vergangenen Wochen deutlich gemacht habe. Nun gelte es mehr denn je, den bundesweiten Digitalpakt für die Schulen umzusetzen. „So müssen vor allem die Lehrkräfte in digitaler Technik fortgebildet, die Schulen mit entsprechender digitaler Technik ausgestattet und Know-how für die Vernetzung der Technik und der Menschen bereitgestellt werden“, so Schmitz.

Auch auf Unternehmensebene sei die Digitalisierung ein wichtiger Schlüssel, um die Herausforderungen der Corona-Krise zu meistern. „Die Betriebe digitalisieren ihre Geschäftsmodelle, um das Kerngeschäft zu sichern und die Nachfrage der Kunden bedienen zu können“, so Schmitz. „Fakt ist und bleibt, dass das zentrale Hemmnis für digitalen Fortschritt der Fachkräftemangel ist.“ Dies gelte beispielsweise mit Blick auf die Metall- und Elektroindustrie, einer Kernbranche des Unternehmerverbandes. „Die Unternehmen dieser Branche stehen vor immensen Herausforderungen durch Digitalisierung und Strukturwandel“, so Schmitz. Der tiefe konjunkturelle Einbruch infolge der Corona-Krise verschärfe die Situation erheblich. Gleichzeitig sei die Sicherung des MINT-Nachwuchses für die Industrie besonders wichtig. „Nur über Qualifikation und Innovation können die Weichen für nachhaltiges Wachstum in der Zukunft gestellt werden", fasst Schmitz zusammen. „Ältere Fachkräfte müssen länger im Erwerbsleben gehalten werden, wir müssen jüngere Menschen noch häufiger für eine MINT-Berufsausbildung gewinnen, wir müssen An- und Ungelernte weiter qualifizieren und wir müssen die Potenziale von Zuwanderern aus Drittstaaten stärker heben.“

Der Unternehmerverband wirbt seit Jahrzehnten für technische Berufe: Mit MINT-Wettbewerben und dem M+E-InfoTruck werden die Möglichkeiten der verschiedenen technischen Berufsfelder als Erlebnis transportiert. Besonders engagiert sich der Unternehmerverband dafür, dass diese Ausbildungsplätze in den Fokus der Berufswahl von Mädchen rücken. Schmitz: „Wir sprechen Mädchen bei unseren Angeboten für die Berufsorientierung ganz konkret an: Traut euch, technische Berufe zu wählen! Denn schon mit dieser Berufswahl entscheidet Ihr euch für gutes Gehalt und Aufstiegschancen, die es in rollentypischen Berufen wie Verkäuferin oder Friseurin so nicht gibt.“

Nur mit MINT-Fachkräften lässt sich in der Industrie der Fortschritt meistern. (Foto: iStock)

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