IAB-Chef Möller: Bei Einwanderern auch auf die Ausbildung sehen

Interview zum Fachkräftemangel: Erwerbsquoten von Älteren und Frauen noch längst nicht ausgeschöpft

Der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB in Nürnberg, Professor Dr. Joachim Möller, hat die deutsche Wirtschaft dafür gelobt, in der Wirtschaftskrise „wie nie zuvor ihre gut ausgebildeten Stammkräfte gehortet“ zu haben. Es grenze an ein Wunder, „dass der dramatische Einbruch der Auslandsnachfrage ohne Massenentlassungen weggesteckt wurde“ sagte er der in Duisburg erscheinenden Zeitschrift [unternehmen!].

Zugleich mahnt Möller konkrete Strategien für die Arbeitswelt im demografischen Wandel an. Das gesellschaftliche Bewusstsein über die zu erwartenden tiefgreifenden Veränderungen sei derzeit noch viel zu diffus. Insbesondere fordert er mehr Qualifizierungsmaßnahmen für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: „Diese können mit Jüngeren in der Regel gut mithalten, sind ihnen in puncto Erfahrungswissen, Zuverlässigkeit und Qualitätsbewusstsein sogar oft überlegen.“ In Deutschland werde mit Blick auf das lebenslange Lernen noch viel zu wenig getan. Zwar seien die Erwerbsquoten der über 55- und über 60-Jährigen angestiegen, die Potenziale jedoch noch längst nicht ausgeschöpft. In diesem Zusammenhang betrachtet er die Aufhebung einer starren Renteneinstiegsgrenze als einen „interessanten Gedanken“. Allerdings müssten auch die Arbeitsplätze altersgerechter gestaltet werden.

Die hohe Zahl von Schulabgängern ohne jeden Abschluss und ohne berufliche Perspektive ist für Möller „eine tickende Zeitbombe“. Eine hochentwickelte Gesellschaft könne es „nicht zulassen, dass eine Paria-Schicht entsteht“. Es bedürfe einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung, um diesen Zustand zu verbessern: „Dabei sind alle gefordert, Elternhäuser, Schulen, Betriebe.“

Das IAB – das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit – hat auch untersucht, wo derzeit die Schwerpunkte beim Fachkräftemangel liegen und dabei festgestellt, dass bundesweit insbesondere in den Gesundheits- und Pflegeberufen flächendeckend Kräfte fehlen. Möller weist aber darauf hin, dass sich in den einzelnen Berufsgruppen – etwa bei den Ingenieuren – starke regionale Unterschiede zeigen. Im Westen Deutschland sei der Fachkräftemangel beispielsweise im Metallbereich noch nicht so dramatisch wie etwa in Baden-Württemberg oder Sachsen.

In der Frage der Zuwanderung ausländischer Fachkräfte spricht sich Möller dafür aus, „mit erster Priorität das heimische Potenzial zu mobilisieren“. Unter den Arbeitslosen seien schließlich nicht nur Geringqualifizierte und bei den Älteren und den Frauen ließen sich die Erwerbsquoten noch deutlich steigern. Bisher sei Deutschland bei der Anwerbung von ausländischen Fachkräften nicht sehr erfolgreich: „Per Saldo verliert das Land zurzeit sogar qualifizierte Kräfte“ durch Auswanderung. Möller ist für „eine geregelte Einwanderungspolitik, die auch auf die Ausbildung der Einwanderer sieht“. Denn in der Vergangenheit habe Deutschland „in hohem Maße Personen angezogen, die nicht nur nach unseren Standards, sondern auch nach den Standards der Herkunftsländer unterdurchschnittlich qualifiziert sind“.

Möller warnt davor, die Ausgaben für eine aktive Arbeitsmarktpolitik zurückzufahren: „Die Stunde der aktiven Arbeitsmarktpolitik schlägt dann, wenn die Fachkräfte knapper werden, nicht dann, wenn keine Arbeitsplätze vorhanden sind, in die man Personen vermitteln könnte.“ Das vollständige Interview kann in der aktuellen Ausgabe 3 der [unternehmen!] gelesen werden.

Professor Dr. Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB in Nürnberg

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