Arbeitsmarkt: Befristungen gehen zurück

Entgegen landläufiger Meinung stellen die Betriebe mehr unbefristete Arbeitnehmer ein. Der Unternehmerverband unterstreicht durch eine IW-Studie: Kernbelegschaften werden nicht abgebaut!

Immer wieder wird Unternehmen vorgehalten, dass sie durch mehr Befristungen, Zeitarbeit oder Werkverträge die Kernbelegschaft abbauen. Eine neue Studie des IW, Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln, zeigt nun, dass das genaue Gegenteil der Fall ist. Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, erläutert: „Zwischen 2012 und 2017 weiteten gut 43 Prozent aller deutschen Betriebe die Anzahl unbefristet Beschäftigter aus. Dagegen haben nur 11 Prozent die befristete Beschäftigung ausgeweitet.“ Demnach sei – entgegen der weit verbreiteten Überzeugung – nicht erkennbar, dass unbefristete Arbeitsverhältnisse nach und nach durch befristete ausgetauscht werden. Der Trend geht sogar in die entgegengesetzte Richtung, wie Schmitz mit Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt: „Im gleichen Zeitraum sank die Anzahl befristeter Beschäftigter von 2,64 auf 2,55 Millionen, obwohl die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse insgesamt gestiegen ist.“

Befristungen gehören zu den so genannten atypischen Erwerbsformen. Dazu zählen auch Zeitarbeits- und Werkverträge, die genau wie befristete Verträge immer wieder in der Kritik stehen. „Auch hier ist der Ärger über die flexiblen Modelle unbegründet: Nur rund 9 Prozent der Betriebe haben die atypische Beschäftigung erhöht, ohne auch die unbefristeten Stellen auszuweiten“, weiß Schmitz. Dafür haben knapp 36 Prozent der Unternehmen mehr normale und keine weiteren flexiblen Verträge abgeschlossen.

Offenbar scheinen Betriebe flexible Erwerbsformen nicht zu nutzen, um ihre Kosten zu senken. „Vielmehr geht es den Arbeitgebern darum, Unsicherheiten zu begegnen. Denn die Auswertung hat ergeben, dass Betriebe gerade dann mehr Befristungen eingehen, wenn die wirtschaftliche Zukunft sehr ungewiss ist.“ Deshalb, so Schmitz, sei eine stärkere Regulierung, wie es die Bundesregierung derzeit bei Befristungen plant, für Betriebe wie für Arbeitnehmer eher schädlich.

Bei der Diskussion dürfe zudem nicht vergessen werden, dass diese flexiblen Arbeitsverhältnisse generell eher Schwächeren zugutekämen, die sonst nur schwer Zugang zum Arbeitsmarkt fänden. „Für Menschen, die lange Zeit arbeitslos oder krank waren, sind befristete Verträge eine gute Chance für den Wiedereinstieg in den Job“, erläutert Schmitz. Fast jeder zweite befristet Beschäftigte, so der Arbeitsmarktexperte weiter, werde später in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. „Das zeigt, dass es das Ziel der Betriebe ist, ihre Mitarbeiter grundsätzlich langfristig zu binden.“

In Deutschland werden weniger befristete Arbeitsverträge abgeschlossen. Und jeder zweite befristet Beschäftigte wird später in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. (Foto: iStock)

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