

OBERHAUSEN | Wenn am frühen Morgen die Werkstore beim Traditionsunternehmen Franken aufschwingen, liegt ein Hauch von Aufbruch in der Luft. Zwischen dem Brummen der Schweißgeräte und dem Klirren der Werkzeuge entstehen hier Apparate, die längst über die europäischen Grenzen hinaus gefragt sind. Die Franken Apparatebau GmbH, ein Unternehmen mit über 60 Jahren Erfahrung im Bau von Apparaten und Rohrleitungen, hat den nächsten großen Schritt gewagt – und der führt bis ans andere Ende der Welt.
Die Partnerschaften mit australischen Unternehmen werden immer intensiver. Der bislang größte Erfolg dieser Zusammenarbeit rollte im September 2025 vom Hof des Werksgeländes: Ein massiver, speziell konstruierter Behälter für den Rohstoffkonzern Nyrstar in Port Pirie, genauer gesagt ein Wärmeaustauscher, der die Temperaturen zwischen zwei Gasen austauscht, also das eine abkühlt und das andere aufwärmt. Für Geschäftsführer Sebastian Franken war jener Moment der vorläufige Höhepunkt einer Partnerschaft, die sich immer weiter vertieft. Die finale Abnahme fand persönlich in Australien statt. „Klar, vieles lässt sich digital klären“, sagt er. „Aber bei zehn Stunden Zeitverschiebung wird selbst die beste Videokonferenz zur Herausforderung.“ Wenn er früh aufsteht und die Partner „Down Under“ ihren Feierabend ein wenig strecken, klappt es – meistens. Doch der Handschlag vor Ort? „Unersetzbar.“ Mindestens einmal im Jahr steigt er deshalb in den Flieger nach Australien. Und nicht nur dorthin: Auch beispielsweise in den USA und Usbekistan sitzen Kunden und Partner. Eine Weltkarte auf der Homepage des Unternehmens zeigt, wie weit die Oberhausener mittlerweile vernetzt sind.


Aktiv gegen Fachkräftemangel
Während die Aufträge internationaler werden, wächst in Oberhausen parallel das Team. Die Ausbildungsquote steigt, neue Talente sollen her – am liebsten über die eigene Kampagne: „Jobs mit Steel“. Das Signal ist klar: Wer morgen Spezialist sein will, kommt heute nach Oberhausen. Ausgebildet wird im Bereich Konstruktionsmechanik, Technisches Produktdesign und Industriekaufleute.
125 Mitarbeitende arbeiten aktuell bei Franken Apparatebau. Mehr sollen es werden – ausdrücklich auch mehr Frauen. Passend dazu wurden im Zuge der Modernisierung Damenumkleiden und ‑duschen geschaffen.
Ein Werksgelände im Wandel
Wer heute über das Firmengelände an der Dorstener Straße läuft, sieht einen Ort im Umbau. Der Boden vibriert, es riecht nach Metall, Beton, Aufbruch. Neue Büros entstehen, Hallen werden erneuert, Wege neu gedacht. Bis zum Frühjahr soll alles fertig sein.
Die Nähe zu Wohngebieten stellt besondere Anforderungen. Schallisolierung ist daher ein Kernthema – und wirkt gleichzeitig als Wärmedämmung. Weil die einzelnen Hallen über Jahrzehnte entstanden und sich teils deutlich unterscheiden, musste das neue Heizungssystem maßgeschneidert entwickelt werden. Die ursprüngliche Idee mehrerer großer Wärmepumpen scheiterte am Platzbedarf: „Um jede Pumpe bildet sich eine Eisschicht, für die man Raum bräuchte – den haben wir schlicht nicht“, so Franken.
Die Lösung ist ein kluger Energiemix aus Fernwärme, punktuellen Wärmepumpen und Photovoltaik. „Da profitieren wir von der Südlage“, sagt der Geschäftsführer. Zwischen neuen Büros und modernisierten Hallen entsteht zudem eine lichtdurchflutete Glasüberdachung – ein Treffpunkt für Pausen, Gespräche und geplante Grillevents.
Wenn 200 Tonnen auf Reisen gehen
Trotz der Wohnnähe profitieren Franken Apparatebau und seine Kunden von einem Vorteil, den viele Wettbewerber nicht haben: einer hervorragenden Infrastruktur. Schwertransporte können das Werksgelände problemlos verlassen und die Fracht via Rhein-Herne-Kanal weitertransportiert werden. „Viele Konkurrenten werden durch marode Brücken ausgebremst – ihre Lkw müssen Umwege fahren. Das treibt Preise in die Höhe“, erklärt Franken.
Was das Unternehmen zudem unverwechselbar macht: Alles kommt aus einer Hand – Apparate, Wärmetauscher, Druckbehälter und die verfahrens- sowie wärmetechnische Auslegung. „Wir sind bodenständig, liefern kundenspezifische Lösungen – und gehen erst, wenn die Anlage läuft“, fasst Franken zusammen. Und die Dimensionen, in denen gearbeitet wird, sind beeindruckend: Die Produkte aus dem Hause Franken sind bis zu 50 Meter lang; bis zu 200 Tonnen Gewicht sind möglich. Der größte Apparat bisher war 35 Meter hoch, der bisher schwerste rollte mit einem Gewicht von beeindruckenden 180 Tonnen vom Gelände.


Zwischen Führungsetage und freiwilligem Einsatz
Sebastian Franken, heute 42, stieg 2009 ins Unternehmen ein und seit 2013 Schritt für Schritt in die Firmenleitung. Sein Vater Wilhelm Franken, der das Unternehmen jahrzehntelang geprägt und den Standort aufgebaut hat, zieht sich langsam aus dem operativen Geschäft zurück.
Doch wer glaubt, Sebastian Franken sei allein mit der Geschäftsführung ausgelastet, irrt. Sein ehrenamtliches Engagement ist beeindruckend. So ist der dreifache Familienvater sowohl ehrenamtlicher Richter als auch Mitglied im Ausschuss der ehrenamtlichen Richter, Lions-Mitglied, Vorstandsmitglied beim Ambulanten Hospiz Oberhausen e. V. und Mitglied im Kuratorium der Bürgerstiftung.
Auch die Firma selbst engagiert sich und wurde im Rahmen von Ökoprofit für nachhaltiges Wirtschaften ausgezeichnet.
Aus Oberhausen – für die Welt
In den Hallen von Franken Apparatebau wird geschweißt, gebogen, geplant, getüftelt. Was hier entsteht, reist oft viele tausend Kilometer weit, doch die Wurzeln bleiben im Ruhrgebiet. Hier schwingen auch in Zukunft die Werkstore morgens auf, wenn im fernen Australien der Tag schon zuende geht.
Das Interview führte Geraldine Klan
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