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Konjunkturumfrage des Unternehmerverbandes
Stimmung am Wirtschaftsstandort Ruhr-Niederrhein weiter tief im Keller: Unternehmen verlieren das Vertrauen in die Politik und investieren im Ausland. Viele Betriebe der Metall- und Elektroindustrie wirtschaftlich unter Druck. Wolfgang Schmitz: „Klare Alarmzeichen für die Wirtschaftsregion Ruhr-Niederrhein.“
Die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage 2025 des Unternehmerverbandes Metall Ruhr-Niederrhein belegen, dass die Deindustrialisierung weiter voranschreitet: 50 Prozent der befragten Unternehmen haben 2025 im Inland im Vergleich zum Vorjahr ihre Investitionen weiter zurückgefahren (2024 bereits 47 Prozent), zwei Drittel der Unternehmen dagegen im Ausland mehr investiert (2024: 44 Prozent). „Das ist die direkte Konsequenz aus drei Jahren Rezession und eines immer stärkeren Vertrauensverlusts in die Politik“, sagt Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes. „Zahlreiche Betriebe stehen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Trotz politischer Lippenbekenntnisse wird ihnen weiter die Luft zum Atmen genommen – durch unsichere Rahmenbedingungen und damit fehlende Planungssicherheit, steigende Kosten, hohe bürokratische Belastungen sowie komplexe gesetzliche Vorgaben“, so Schmitz.
Die Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage und zu den Erwartungen für die kommenden Monate bleiben verhalten. 43 Prozent der befragten Unternehmen berichten von einer schlechteren Auftragslage im Inland als im Jahr zuvor (2024: 24 Prozent). Genauso viele erwarten auch für die kommenden sechs Monate weniger Aufträge aus dem Inland (2024: 41 Prozent). Die aktuelle Ertragslage bezeichnen knapp ein Drittel der Unternehmen als schlecht (2024: 24 Prozent) – nur 14 Prozent erwarten für die kommenden sechs Monate steigende Erträge.
Bei Neueinstellungen halten sich die Unternehmen zunehmend zurück: Lediglich 21 Prozent der befragten Unternehmen planen für die kommenden sechs Monate Neueinstellungen. Ebenso viele prognostizieren allerdings einen Stellenabbau; parallel gewinnt Kurzarbeit wieder an Bedeutung. Auch die Aussichten für Berufseinsteiger verdunkeln sich: Knapp ein Drittel der Unternehmen geht von weniger Ausbildungsplätzen im laufenden Jahr aus (2024: 20 Prozent).
„Die Umfrageergebnisse sind ein klares Alarmsignal für die Wirtschaftsregion Rhein-Ruhr“, sagt Wolfgang Schmitz. „Und sie senden deutliche Signale in Richtung Politik: Wir brauchen dringend verlässliche, investitions- und beschäftigungsfreundliche Rahmenbedingungen.“ Während auf regionaler Ebene Wirtschaft und Politik in vielen Fällen gut zusammenarbeiteten, sei das Vertrauen in die Bundespolitik stark ins Wanken geraten. „Die Politik lässt uns im Stich“, brachte es ein Unternehmen in der Umfrage auf den Punkt. Zwar habe Bundeskanzler Friedrich Merz in einem Brief an die Abgeordneten von Union und SPD zum Jahreswechsel der Ankurbelung der deutschen Wirtschaft für 2026 höchste Priorität eingeräumt – aber dafür brauche es eine tiefgreifende Reformbereitschaft der Koalitionsparteien in der Wirtschafts- und Sozialpolitik, so Schmitz. „Hier müssen sich CDU und SPD endlich bewegen und Mut beweisen. Ideen wie das SPD-Konzept zur Erbschaftssteuer sind zu dieser Zeit in diesem Umfeld absolut kontraproduktiv und erschüttern das Vertrauen insbesondere des Mittelstands weiter.“
NRW-weit haben 354 Betriebe der Metall- und Elektroindustrie mit fast 95.000 Beschäftigten an der Umfrage teilgenommen. Im hiesigen Verbandsgebiet, also an Rhein und Ruhr sowie am
Niederrhein und im Westmünsterland, haben sich Unternehmen mit insgesamt rund 7.000 Beschäftigten geäußert. Dabei vertretene Branchen: Maschinenbau, Elektroindustrie, Automobilbau, Herstellung von Metallerzeugnissen, Metallerzeugung und -bearbeitung sowie Gießereien.
Weitere Ergebnisse im Detail:
Geschäftslage und Erwartungen
Die aktuelle Geschäftslage wird von einem Großteil der befragten Unternehmen als allenfalls befriedigend oder schlecht eingeschätzt. Unverändert zum Vorjahr sprechen nur 29 Prozent von einer guten Situation. Auch der Blick auf die kommenden Monate bleibt verhalten: Die Erwartungen an die zukünftige Beschäftsentwicklung sind überwiegend gleichbleibend (57 Prozent) oder rückläufig (21 Prozent), positive Impulse werden nur von einem Fünftel der Befragten erwartet. 2024 schätzten die Betriebe die Lage noch pessimistischer ein.
Beschäftigung und Ausbildung
Bei der Beschäftigungsentwicklung zeigt sich ein zurückhaltendes Bild. Die Hälfte der Unternehmen planen, ihre Mitarbeiterzahl konstant zu halten. So sinken die Neueinstellungen im ersten Halbjahr 2026 (von 43 auf 31 Prozent) wie auch Mehrarbeit (von 7 auf 0 Prozent). Konstant bleiben Entlassungen bei 21 Prozent, während Kurzarbeit zunimmt (von 14 auf 21 Prozent). Gleichzeitig geben die Betriebe an, dass sie offene Stellen nur schwer besetzen können.
Der Fachkräftemangel stellt weiterhin eines der größten strukturellen Probleme dar – insbesondere im gewerblich-technischen Bereich.
Ansprechpartner für die Presse




Jennifer Middelkamp
Pressesprecherin
Regionalgeschäftsführung Kreise Borken | Kleve




