Berufskollegs müssen reformiert werden

Arbeitskreis Berufsausbildung des Unternehmerverbandes lud Ausbilder ins Hans-Sachs-Berufskolleg in Oberhausen ein

Zu wenige Berufsschüler und Lehrer, zu teure Ausstattung, kaum Innovation – die Bestandsaufnahme von Oberstudiendirektor Marc T. Bücker, Schulleiter des Hans-Sachs-Berufskollegs in Oberhausen, war alarmierend. Über Auswege aus dieser Misere – seine Vision ist ein Ausbildungs-Campus – diskutierte er am Mittwoch mit Ausbildern hiesiger Unternehmen. Sie folgten damit der Einladung des Unternehmerverbandes zum Arbeitskreis Berufsausbildung. „Wir pflegen so nicht nur regelmäßig den Erfahrungsaustausch untereinander, sondern tauschen uns über Trends und Ideen aus“, erläutert Elisabeth Schulte vom Unternehmerverband.

Rund 2.100 Schüler werden am Hans-Sachs-Berufskolleg, das eine der ältesten Berufsschulen Deutschlands ist, derzeit in 37 Bildungsgängen ausgebildet. „Nicht einmal die Hälfte davon sind Azubis, früher wurden hier mehr als 4.000 Lehrlinge beschult; allein in den letzten zwölf Jahren haben wir über 500 Azubis verloren“, zeichnete Bücker eine fatale, nicht nur von der Demografie abhängige Entwicklung auf. Mit sinkenden Schülerzahlen werde alles teuer und ineffizient, z. B. weil Werkstätten und Kurse nicht ausgelastet sind und trotzdem Personal und zig Beauftragte von Arbeitssicherheit bis Inklusion vorgehalten werden müssten. „Keiner ist bereit zu entscheidenden Strukturreformen bei der Dualen Ausbildung. Diese sind aber dringend erforderlich: Wir sind zu dick und fett geworden“, sprach Bücker Klartext.

Bückers Kritik richtet sich an die Politik, die das Zusammenlegen von Berufskollegs – etwa verschiedener Fachrichtungen oder Städte – und Neugestaltung von Lehrplänen nicht in die Hand nimmt. Bückers Idee: In Oberhausen müssten alle Berufsschulen an einem Ort gebündelt werden, der zur Steigerung der Attraktivität der Dualen Ausbildung zu einem Campus ausgestaltet werden müsste mit Hightech-Laboren, Fablab, Niederlassungen von Hochschulen sowie Instituten oder auch Projekten wie dem neuen zdi-Zentrum. „Somit könnten Schüler und Auszubildende – vom technischen Zeichner über den Maschinenbauer bis zum Maler – interdisziplinär, gemeinsam und kreativ an Projekten arbeiten.“ Und eben auch praxisnah, wie der Schulleiter ergänzte: „Die Unternehmen sind auch auf dem Campus vertreten, gestalten die Curricula mit, nehmen Impulse z. B. für den 3D-Druck mit.“ Wenn es dann auf dem Campus noch Wohnheime und Sportstätten gebe, wäre das äußerst attraktiv für junge Leute, denen man so auch die Gleichwertigkeit von Ausbildung und Studium vor Augen führe.

Auch nach Einschätzung von Elisabeth Schulte, die beim Unternehmerverband die Aktivitäten rund um Schule/Wirtschaft organisiert, ist ein solch großes System vielversprechend: „Wir müssen ernsthaft überlegen, wie wir die immer teurer werdenden Ressourcen im Zeitalter der Digitalisierung besser einsetzen. Wir brauchen ganzheitliche Ansätze, um die Duale Ausbildung für die Zukunft attraktiv zu machen.“ Das würde nach Einschätzung der Volkswirtin auch Impulse für mehr Beschäftigung schaffen, die Oberhausen so dringend braucht.

Oberstudiendirektor Marc T. Bücker (2. v. l.) zeigte Ausbildern hiesiger Unternehmen, die dem Arbeitskreis Berufsausbildung des Unternehmerverbandes angehören, die Werkstätten des Hans-Sachs-Berufskollegs. (Foto: Unternehmerverband)

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