Konjunktur: Ordentliche Geschäftslage, aber kein durchgreifender Aufschwung

Der Unternehmerverband fordert eine Wachstumsstrategie fürs Ruhrgebiet: „Wieder auf die Industrie setzen“

„Unsere aktuelle Konjunkturumfrage zeigt, dass wir es mit einem gebremsten Wachstum im Ruhrgebiet zu tun haben“, erläutert der Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, Wolfgang Schmitz, mit Blick auf aktuell erhobene Konjunkturdaten. An der im Juni durchgeführten Umfrage der führenden Unternehmerverbände des Ruhrgebiets haben sich fast 350 Unternehmen beteiligt. 90 Mitgliedsunternehmen des heimischen Verbandes haben mitgemacht. Darunter Unternehmen aus Duisburg, Oberhausen und Mülheim an der Ruhr.

Über 70 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als befriedigend bzw. als gleichbleibend gut. Eine große konjunkturelle Stabilität kennzeichnet auch alle anderen abgefragten Parameter, wie die Umsatzsituation, die Ertrags- und Investitionslage. Grundsätzlich erfreulich ist auch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Sowohl der Beschäftigungs- als auch der Ausbildungsplatzsaldo sind unterm Strich positiv. Das heißt: Es werden mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen als abgebaut. Bei rund 60 Prozent der Unternehmen sind allerdings keine signifikanten Änderungen im Personalbereich zu verzeichnen.

„Die insgesamt ordentliche wirtschaftliche Entwicklung darf uns allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass wir im Ruhrgebiet nach wie vor deutlichen Aufholbedarf haben. Wir haben im Vergleich zu anderen Wirtschaftsräumen ein zu geringes Wachstum“, verweist Schmitz vor allem auf die zurückhaltende Investitionsneigung der Wirtschaft insgesamt. Nur 20 Prozent der Unternehmen haben im 1. Halbjahr 2014 mehr investiert als zuvor. Für das 2. Halbjahr sehen nur 16 Prozent der Betriebe ein Plus bei den Investitionen. „Investitionen sind aber die entscheidende Voraussetzung für einen nachhaltigen Beschäftigungsaufbau. Und dafür muss die Politik in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft die Rahmenbedingungen verbessern“, fordert Schmitz. Das Ruhrgebiet brauche eine Strategie für mehr Wachstum und mehr Arbeit.

Der Unternehmerverband kritisiert, dass Rahmenbedingungen für die Unternehmen vielerorts immer schwieriger würden. Jüngstes Beispiel sei die bekannt gewordene Unzufriedenheit vieler Betriebe mit der Ruhrgebietsbürokratie. Die Industrie- und Handelskammer hatte vor wenigen Tagen entsprechende Daten zu den negativen Erfahrungen der Unternehmen in Bezug auf die öffentliche Verwaltung veröffentlicht. „Steuererhöhungen und marode Straßen bremsen zudem die wirtschaftliche Dynamik. Die Politik muss die Interessen der Betriebe stärker in den Blick nehmen“, erklärt Schmitz.

Für den Unternehmerverband sei aber ebenso klar, dass man nicht nur einseitig Appelle an die Politik richten dürfe, sondern selbst „liefern“ müsse. „Wir haben in den Ruhrgebietsstädten unseres Verbandsgebiete Standortinitiativen auf den Weg gebracht, mit konkreten Angeboten an die Politik. Wichtig ist, dass wir diesen Dialog jetzt festigen und im Sinne der Region kooperieren“, so Schmitz.

Der Unternehmerverband spricht sich für eine „Reindustrialisierung“ des Ruhrgebiets aus. Kein anderer Wirtschaftszweig sei in der Lage, eine größere Wertschöpfung für die Region zu generieren. „Wir haben im Ruhrgebiet den Fehler gemacht, den Rückgang der Schwerindustrie mit dem Rückgang der Industrie insgesamt gleichzusetzen. Dabei sind industrielle High-Tech-Produkte aus dem Ruhrgebiet weltweit gefragt“, erläutert Schmitz. Eine industrielle Wachstumsstrategie müsse umfassend ansetzen. Aus Sicht des Unternehmerverbandes gehören dazu die Modernisierung der Infrastruktur, die Ausweisung von entsprechenden Gewerbeflächen und der Ausbau der Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Auch emotional müsse das industrielle Investitionsklima verbessert werden. „Allein mit Tourismus- und Kulturangeboten wird die Region ihre wirtschaftlichen Probleme nicht lösen können. Wir brauchen ein Bekenntnis zur Industrie“, mahnt Schmitz.

Ein Fazit der aktuellen Konjunkturumfrage ist auch, dass die Metall- und Elektroindustrie deutlich unterhalb des positiven Trends der Gesamtwirtschaft liegt. Ihre Situation verschlechtert sich – zwar auf stabilem Niveau, aber doch signifikant gegenüber Herbst 2013. „Die Metall- und Elektroindustrie ist das Herz der Wirtschaft. Wir müssen die Branchen und ihre konkreten Rahmenbedingungen an den Standorten genau in den Blick nehmen und dort, wo es geht, auch verbessern“, erklärt Schmitz. Mehr und mehr entwickle sich der Fachkräfteengpass gerade für die kleinen und mittleren Unternehmen im Ruhrgebiet zum Problem. Alle zur Verfügung stehenden Fachkräfte-Ressourcen müssten in den Blick genommen werden. Insbesondere gebe es bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf Defizite in der Region. Gründe für Eintrübungen im Bereich der Metall- und Elektroindustrie liegen aber auch in der weltweit nach wie vor sehr fragilen wirtschaftlichen Entwicklung, schließlich ist dieser Industriezweig besonders vom Export seiner Produkte abhängig.

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes (Foto: Unternehmerverband)

Ansprechpartner

Christian Kleff

Geschäftsführer "Wirtschaft für Duisburg" und Leiter Kommunikation und Marketing

Telefon: 0203 99367-225

E-Mail:kleff(at)unternehmerverband(dot)org

Jennifer Middelkamp

Regionalgeschäftsführung Kreise Borken / Kleve und Pressesprecherin

Telefon: 0203 99367-223

E-Mail:middelkamp(at)unternehmerverband(dot)org

Geraldine Klan

Referentin

Telefon: 0203 99367-224

E-Mail:klan(at)unternehmerverband(dot)org

Sonja Kochem

Mitarbeiterin Marketing und Kommunikation

Telefon: 0203 99367-205

E-Mail:kochem(at)unternehmerverband(dot)org