Schöne neue Arbeitswelt!? Von Märchen und Realitäten

Managerinnen-Talk im HAUS DER UNTERNEHMER

„Was verändert die Digitalisierung in der Arbeitswelt?“ „Alles!“, so brachte es eine Diskussionsteilnehmerin jetzt im Duisburger HAUS DER UNTERNEHMER auf den Punkt. Dort gastierte der seit dem Jahr 2007 existierende, sogenannte „M-Talk“ erstmals. Die Gesprächsrunde wird von Competentia – Kompetenzzentrum Frau und Beruf der Stadt Duisburg organisiert. Der Titel der Veranstaltung „Schöne neue Arbeitswelt!? Von Märchen und Realitäten“ lockte über 60 Gäste zum Sitz des hiesigen Unternehmerverbandes, die trotz Bahnstreiks die Anreise wagten. Interessante Einblicke in den Alltag verschiedener regionaler Unternehmen und Branchen wurden den Gästen ermöglicht.

In ihrer Begrüßung warfen Matthias Heidmeier, Geschäftsführer Kommunikation des Unternehmerverbandes, und Irene Schiefen von Competentia, einen ersten Blick auf die möglichen Folgen dauerhafter Vernetzung und ständiger Verfügbarkeit. Ihre Frage an Plenum und Diskutanten: Wie schafft man es, die Digitalisierung als Chance zu nutzen? Als Chance beispielsweise für junge Frauen, damit ihre Berufs- und auch Verdienstmöglichkeiten besser werden.

Den Impulsvortrag zur digitalen Revolution hielt Ingo Berg, Geschäftsführer der ASB Informationstechnik GmbH, ein Unternehmen der Grillo-Gruppe, und gleichzeitig Vorsitzender des IT-Arbeitskreises beim Unternehmerverband. Er spannte einen Bogen über die digitale Entwicklung von den heute belächelten Anfängen des Computerzeitalters bis zu den Trends der Zukunft. Sein Fazit war eindeutig: Vieles lässt weiter staunen und hoffen. Die Entwicklung der Speicherkapazitäten bei Computern sei phänomenal, aber viele Neuerungen der digitalisierten Welt seien auch nur der „Kaiser in neuen Kleidern“.

In der Diskussionsrunde waren dann vor allem Managerinnen gefragt. Sie gaben Auskunft über die praktische Dimension der neuen Arbeitswelt, beispielsweise im Hinblick auf neue Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Karin Aust verantwortet bei den noch stark männlich dominierten Hüttenwerken Krupp Mannesmann GmbH die Kommunikation sowie die Organisationsentwicklung. Gefragt nach Home-Arbeitsplätzen stellte sie klar, dass dies ein Thema für die Verwaltung, nicht die Produktion sei und zur Vermeidung von Ungleichbehandlung daher die Regeln recht strikt seien. D.h. dass dies nur in besonderen Belastungszeiten einer Person gewährt wird.

Dagegen hat es die Dienstleistungsbranche der Unternehmensberater mit der Gewährung größerer Freiheiten deutlich leichter. Barbara Lix, Mitglied des Vorstands bei PricewaterhouseCoopers cundus AG, betonte dennoch die zentrale Bedeutung realer Teamarbeit als A und O erfolgreicher Projektdurchführung. Technik erleichtert manches, aber der Mensch, sagte sie, brauche aus vielen Gründen das persönliche Gegenüber und Gespräch.

Wie groß auch in Dienstleistungsunternehmen die Unterschiede sein können, hörte das Publikum von Ekkehard Thomas, dem einzigen Mann in der Runde. Als Personalleiter der Commerz Direktservice GmbH hat er es überwiegend mit Frauen zu tun. Zu seiner Branche gehören höhere Fluktuation und ein ebensolcher Krankenstand. Dies zu meistern bedingt seiner Meinung eine offene Führungskultur mit klaren Regeln. Zugleich wundert er sich, wie zögerlich Frauen immer noch sind, in Verantwortung gehen zu wollen.

Diese Frage stellt sich bei der BYK-Chemie GmbH in Wesel nicht mehr. Dr. Anette Brüne ist dort die Leiterin Strategische Geschäftsentwicklung. Ihr Unternehmen macht sich bei Mitarbeitern und solchen, die es werden sollen, besonders attraktiv mit einem „ganzen Strauß“ an Fördermöglichkeiten. Sie vermutete auf die Frage, warum immer noch Frauen überwiegend klassische Berufswahlen treffen, dass das Überwinden von insbesondere inneren Barrieren doch noch zwei bis drei weiterer Generationen bedarf, um MINT-Berufe als selbstverständlich anzusehen.

Diese bestätigte Dr. Katja Werpers als Leiterin Learning, Development & Diversity Management bei ThyssenKrupp Steel Europe. „Stahl ist immer noch männlich und eigentlich eher hierarchisch. Wir schaffen aber gerade alle Titel ab, wir müssen als Dax-Unternehmen die Quote erfüllen und wer zu uns kommt, hat gute Chancen, sein Leben gut planen zu können.“

Einig waren sich die Referentinnen, dass die Ansprüche an Führungskräfte gestiegen sind. Anke Fabian als Initiatorin der Reihe führte durch die vielschichtigen Aspekte der neuen Arbeitswelt. Und als es um die Erfahrung mit Großraumbüros ging, erheiterte sie die Gäste mit ihrer Anmerkung: „So ändern sich die Zeiten: In der Landwirtschaft wird die Abschaffung der Massentierhaltung diskutiert und den Menschen mutet man das zu.“

Das Format „M-Talk“ – Hintergrundinformationen
Seit März 2007 tourt diese Wirtschaftsgesprächsreihe durchs Land. M-Talk war das erste Format mit rein weiblichen Podien mit ausschließlichen Wirtschaftsthemen, an Orten mit überwiegend männlich dominiertem Umfeld. Die Damen waren und sind jeweils Führungsfrauen der Region; mittlerweile ist stets ein Mann mit dabei. Anke Fabian ist Ideengeberin und Initiatorin der Reihe sowie ihre Moderatorin. Sie hat zwischenzeitlich mit über 220 Führungsdamen impulsgebende Gespräche geführt.

Kompetenzzentren Frau und Beruf in jeder Region in NRW www.competentia.nrw.de

Talkgäste und Impulsgeber des M-Talk (v. l. n. r.): Ingo Berg (ASB Informationstechnik GmbH), Barbara Lix (PricewaterhouseCoopers cundus AG), Irene Schiefen (Competentia), Dr. Katja Werpers (ThyssenKrupp Steel Europe), Matthias Heidmeier (Unternehmerverband), Dr. Anette Brüne (BYK Chemie GmbH), Ekkehard Thomas (Commerz Direktservice GmbH), Anke Fabian (Moderatorin) und Karin Aust (Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH)

Ansprechpartner

Christian Kleff

Geschäftsführer "Wirtschaft für Duisburg" und Leiter Kommunikation und Marketing

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Regionalgeschäftsführung Kreise Borken / Kleve und Pressesprecherin

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Mitarbeiterin Marketing und Kommunikation

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