Konjunkturbarometer: Wirtschaft im Ruhrgebiet kühlt ab – bleibt aber stabil

Ergebnisse der aktuellen Umfrage der Arbeitsgemeinschaft arbeitgeber ruhr zur wirtschaftlichen Lage im Ruhrgebiet liegen vor. Wolfgang Schmitz: „Stärkung des Industriestandorts Ruhrgebiet ist 2012 wichtigste Aufgabe“

Die Wirtschaft im Ruhrgebiet blickt auf ein solides Wirtschaftsjahr im Zeichen des Aufschwungs zurück, 2012 wird trotz Verunsicherungen mit verhaltenem Optimismus erwartet – das ist das Ergebnis des aktuellen Konjunkturbarometers der Arbeitsgemeinschaft arbeitgeber ruhr, zu der auch die in Duisburg sitzende Unternehmerverbandsgruppe gehört. Mehr als 300 Firmen aus dem Ruhrgebiet, darunter auch Unternehmen aus Duisburg, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen, mit insgesamt rund 100.000 Beschäftigten schickten den ausgefüllten Fragebogen zurück. Wichtigstes Ergebnis der Umfrage: Die Unternehmen zeigen sich zwar verunsichert, Signale für eine Rezession sind aber nicht zu erkennen. Die Wachstumsdynamik wird gegenüber 2011 aber nachlassen.

Bei Auftragseingang und Umsatz ergibt sich branchenübergreifend eine deutliche Zwei-Drittel-Mehrheit von 68 Prozent der befragten Unternehmen, die im 2. Halbjahr 2011 bessere oder gleich bleibend gute Ergebnisse im Vergleich zum 1. Halbjahr  einfahren konnten. Dennoch zeigt sich, dass der Höhepunkt des Aufschwungs überschritten ist: Vor einem halben Jahr lag dieser Anteil mit 80 bzw. 74 Prozent deutlich höher.

Ein Warnzeichen ist die Rückmeldung, dass rund ein Sechstel der Unternehmen branchenübergreifend (Metall- und Elektroindustrie: 17 %) die angebotenen Ausbildungsplätze nicht besetzten konnten. Als Hauptgründe wurden branchenübergreifend genannt mangelnde Qualifikationen (35 %), Bewerbermangel (24 %) und Nicht-Antritt bzw. Abbruch (21 %). Im Bereich der Metall- und Elektroindustrie dominierten die mangelnde Qualifikation (53 %) und der Bewerbermangel (20 %) als Hauptgründe.

Die Beschäftigung bleibt auf hohem Niveau. Dennoch plagen die Unternehmen zunehmend Fachkräfte-Sorgen: Branchenübergreifend beklagten im Dezember 2011 13 Prozent der befragten Unternehmen aktuell Fachkräftemangel. Dies ist ein etwas geringerer Anteil als in der Frühjahrsumfrage (18 %), allerdings eine deutliche Zunahme gegenüber den Rückmeldungen vor Jahresfrist (9 %). Ein Drittel der Befragten sieht bereits heute einen Fachkräftebedarf. Ein Viertel davon konnte den aktuellen Fachkräftebedarf nicht befriedigen. Auf die nächsten drei Jahre betrachtet sehen 40 Prozent, im Metall- und Elektrobereich sieht sogar fast die Hälfte (48%) der befragten Firmen einen Fachkräftebedarf. Ein Mangel besteht branchenübergreifend mehrheitlich bei gewerblich-technischen Fachkräften und bei den Ingenieuren.

Branchenübergreifend überwiegen bei den Konjunkturprognosen die optimistischen Rückmeldungen: 71 Prozent der Befragten rechnen für die nächsten sechs Monate mit gleichbleibend guten oder besseren Geschäften, 65 Prozent mit besseren bzw. gleichbleibend guten Inlandsaufträgen. Das sind allerdings jeweils mehr als 10 Prozentpunkte weniger optimistische Rückmeldungen als vor Jahresfrist.

„Die Ergebnisse sind angesichts des schwierigen internationalen Umfeldes sicherlich grundsätzlich zufriedenstellend. Aber täuschen wir uns nicht: Es gibt erhebliche Zukunftsrisiken. Wir dürfen uns jetzt nicht zurücklehnen, sondern wir müssen unsere Hausaufgaben am Industriestandort Ruhrgebiet anpacken. Dazu gehört zwingend eine bessere Kooperation der Städte im Ruhrgebiet, weil man nur gemeinsam stark ist“, so der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbandsgruppe, Wolfgang Schmitz, mit Blick auf die Ergebnisse des Konjunktur-Barometers.

„Die Fachkräfte-Frage ist ein Mega-Thema für die Wirtschaft. Wir werden am Standort Ruhrgebiet den Fachkräftebedarf  in Zukunft nur sichern können, wenn wir den Fachkräften gute Rahmenbedingungen für das Leben und das Arbeiten hier bieten können. Die Stärkung der  Kindergärten und Schulen muss hierfür oberste Priorität haben. Dass wir im Ruhrgebiet in Sachen Betreuungsplätze für Kinder die rote Laterne und ebenso die größte Anzahl von jungen Menschen haben, die nach der Schule als nicht „ausbildungsfähig“ gelten, wird sich massiv auf den Wirtschaftsstandort Ruhrgebiet auswirken“, so Schmitz. Hier müsse die Politik handeln.

Mit Blick auf die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie in 2012 ruft Schmitz zur Besonnenheit auf: „Die Metall-Arbeitgeber möchten ihre Mitarbeiter fair am Aufschwung beteiligen, doch wir müssen die zukünftige Entwicklung mit bedenken. Die Besonnenheit vergangener Tarifabschlüsse hat sich positiv auf die Arbeitsplätze ausgewirkt. Wir wollen mit den Gewerkschaften zusammen die Unternehmen möglichst krisensicher machen – das muss Richtschnur sein.“

» Ergebnisse des Konjunktur-Barometers

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