Vielfalt der Mitarbeiter als Chance

10. Bocholter Personalforum mit 50 Teilnehmern / Anregungen für Führungskräfte

Vielfalt hat viele Gesichter: Jung und Alt, Mann und Frau, Behinderung oder Migrationshintergrund… „Für Unternehmen und ihre Führungskräfte sind multikulturelle Teams nicht neu. Es ist ein Wettbewerbsvorteil, Vielfalt als Chance zu begreifen. Derzeit erhöhen Fachkräfteengpässe und auch die Flüchtlingsdiskussion den Erfolgsdruck“, stellte Jürgen Paschold vom Unternehmerverband fest. Dieser hatte zum 10. Bocholter Personalforum eingeladen; 50 Unternehmer, Geschäftsführer, Betriebspraktiker, Personalleiter und Personalreferenten kamen dazu am vergangenen Dienstag zusammen. Paschold wies insbesondere den Führungskräften eine Schlüsselrolle zu: „Beschäftigte bringen vielfältige Erfahrungen und Biografien mit sich. Die Offenheit gegenüber diesen Unterschieden muss die Führungskraft im Interesse des Unternehmens als Multiplikator und Vorbild an die Mitarbeiter transportieren.“

Als erste Referentin warb Annette Dietz vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln dafür, dass das Diversity Management vor allem von Verständnis, Toleranz und Hinterfragen geprägt sein muss: „Führungskompetenzen fallen nicht vom Himmel. Sie müssen kommunizieren und die Ängste und das Unbehagen Ihrer Mitarbeiter ernst nehmen.“ Denn Vielfalt führe zu Veränderungen in Teams, Prozessen und Kultur, „nicht immer leicht für langjährige Mitarbeiter“.

Wie wertvoll ein solches Umdenken für Unternehmen sein kann, machte Sonja Milbrandt, Leiterin der Personalentwicklung bei der Babcock Borsig Steinmüller GmbH in Oberhausen, deutlich. Als sich eine Rollstuhlfahrerin bei ihr für die Ausbildung zur Industriekauffrau bewarb, überzeugten sie zwar die guten Noten und der selbstbewusste Auftritt, aber es waren auch eine Menge Probleme zu lösen: so mussten u. a. automatische Türen eingebaut, ein Rettungsrollstuhl für die Berufsschule angeschafft und die Abläufe in der Abteilung auf den eingeschränkten Bewegungsradius angepasst werden. „Bis heute ist uns die Mitarbeiterin treu, während ihrer Ausbildung sorgte sie dafür, dass die Sozialkompetenz der anderen Azubis stark stieg“, blickte Milbrandt zurück. Mit einer Schwerbehindertenquote von teils zehn Prozent ist ihr Unternehmen Vorbild. Sie warb: „Es gibt viele Fördermöglichkeiten und Anlaufstellen. Oft ist eine Schwerbehinderung gar nicht offensichtlich, etwa wenn sie von einer schweren Krankheit oder Operation herrührt.“ Gerade kleinere Unternehmen könnten profitieren, wenn sie einen Menschen mit Behinderungen einstellen anstatt Jahr für Jahr die Ausgleichsabgabe zu zahlen.

Nicht auf die Unterschiede, sondern auf die Synergien, zu schauen, die die Vielfalt in der Personalarbeit mit sich bringt, war das Plädoyer von Jan-Christoph Daniel von Untold Colors in Mülheim. Er arbeitet weltweit in Projekten und für Kunden, „multikulturelle Teams sind auf der ganzen Welt normal, während das in Deutschland ein Thema ist“, wundert er sich. „Vielfalt ist ein Scheinriese: Aus der Ferne betrachtet löst er Unsicherheit aus; je näher man ihm kommt, desto kleiner wird er.“

Dass Vielfalt eben auch Jung und Alt bedeutet, machte Prof. Dr. Claudius Schmitz von der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen deutlich. Im Umgang mit seinen Studierenden stelle er häufig fest, dass diese Generation nicht so schnell zu begeistern sei – besonders nicht für eine Unternehmenskultur, die auf Hierarchie und Führungspersönlichkeiten alter Schule zugeschnitten sei. Grämen müsse man sich als Personaler aber keineswegs: „Der Umgang mit Mitarbeitern sollte von Wertschätzung, Vertrauen, Transparenz und Nachhaltigkeit geprägt sein.“

Das Thema „Wertschätzung“, das in allen Vorträgen anklang, untermauerte der Schauspieler Ralf Melzow aus Heiden mit einigen philosophischen Zitaten, die auch Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung aktuell sind. Seinem Appell für den Mut zu Veränderung schloss sich ein Themenblock an, der sich rasant entwickelt: Soziale Medien. Sinja Brauns von der Königsteiner Agentur referierte über Mobile Recruiting. „Während zwei Drittel der Fach- und Führungskräfte auf ihrem Smartphone nach neuen Jobs suchen, sind nicht einmal ein Drittel der Stellenanzeigen dafür ausgelegt. Brauns empfahl vor allem prägnante Texte, eine segmentierte Darstellung und den Schnellzugriff auf alle Stellenausschreibungen. „Auch gewinnt die so genannte ‚1-Klick-Bewerbung‘ an Bedeutung: Online-Lebensläufe auf Karriereportalen landen damit ohne Anschreiben und Zeugnisse direkt in der Personalabteilung.“ Die Sorgen der Teilnehmer des Personalforums, so tausende unpassende Bewerbungen durcharbeiten zu müssen, zerstreute sie. „Auf Facebook beispielsweise lassen sich Stellengesuche sehr genau auf Zielgruppen zuschneiden.“ Welche rechtlichen Beschränkungen beim Rekrutieren im Internet aber auch vorhanden sind, machte abschließend Rechtsanwältin Simone Bach von Luther Rechtsanwaltsgesellschaft in Köln deutlich. Sie beantwortete Fragen, ob in Suchmaschinen über Bewerber recherchiert werden darf, ob Mitarbeiter über Soziale Medien abgeworben werden dürfen oder welche Handhabe Arbeitgeber haben, wenn Mitarbeiter online über sie lästern. Helfen können nach Bachs Empfehlung generell Social-Media-Richtlinien. „So können Urheberrecht, Wettbewerbsverstöße, Datenschutz, IT-Sicherheit und auch die Frage geklärt werden, ob während der Arbeitszeit und mit dem Dienst-Gerät gesurft werden darf.“

Mit dem diesjährigen Bocholter Personalforum feierte der Unternehmerverband ein kleines Jubiläum: 2007 erstmals in Bocholt gestartet, veranstaltete es der Unternehmerverband zum nunmehr zehnten Mal. „Das Forum ist praxisorientiert; neben dem fachlichen Input wissen die Teilnehmer aber auch das Netzwerken zu schätzen“, so Organisator Jürgen Paschold. Weitere Informationen unter www.unternehmerverband.org oder bei Jürgen Paschold, Telefon: 02871 23698-11, paschold(at)unternehmerverband(dot)org.

Die Referenten stellten aus verschiedenen Blickwinkeln die Vielfalt in der Personalarbeit dar; Jürgen Paschold vom Unternehmerverband (links) moderierte die Vorträge und die Diskussion mit dem Publikum. (Foto: Unternehmerverband)

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