Nicht blenden lassen von der guten Konjunktur

Unternehmerverband stellt aktuelle Konjunkturumfrage vor / Auslandsgeschäft wird Sorgenkind / Arbeitsmarkt für Bewerber hervorragend

Die wirtschaftliche Lage ist anhaltend gut und robust, die Wachstumsdynamik lässt aber ebenso nach wie die Stimmung verhaltener wird – so starten die Unternehmen an Rhein und Ruhr in das neue Jahr. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Konjunktur-Umfrage des Unternehmerverbandes. Dazu befragte die Arbeitgeberorganisation gemeinsam mit den Verbänden von „arbeitgeber ruhr“ seine Mitglieder, insgesamt gaben 420 Unternehmer über Geschäfte, Aufträge, Erträge und Umsätze Auskunft. „Alle Parameter zeigen, dass es den meisten Unternehmen gut geht. Doch der Aufschwung schwächt sich ab. Umso wichtiger ist es, dass der Standort Deutschland wettbewerbsfähig bleibt. Gerade im Ruhrgebiet besteht kein Anlass zur Selbstzufriedenheit“, mahnt der Vorstandsvorsitzende der Unternehmerverbandsgruppe, Dr. Marcus Korthäuer.

Fast drei Viertel der Befragten gab zwar bei den wichtigsten Konjunktur-Parametern Positivmeldungen ab, aber nahezu alle Werte haben sich im Vorjahresvergleich zum Teil deutlich verschlechtert. „Der seit 2016 anhaltende wirtschaftliche Aufschwung in der Region könnte ins Stocken geraten“, leitet Korthäuer, im Hauptamt Geschäftsführer der Espera-Werke GmbH in Duisburg, daraus ab. Im Detail sind das Rückgänge (im Vorjahresvergleich) für das Inlandsgeschäft (-14 %), Auslandsaufträge (-23 %), Umsätze (-13 %), Auslandsinvestitionen (-26 %) und bei den Ertragsprognosen (-12 %).

Während dennoch alle Prognosewerte noch deutlich im Bereich der „Normalkonjunktur“ liegen, bereitet eine Ausnahme den hiesigen Arbeitgebern besondere Sorgen: das lahmende Auslandsgeschäft. „Dies verwundert nicht – angesichts drohender Handelskonflikte, dem bevorstehenden Brexit und fortdauernder Schuldenkrisen in einigen Ländern“, begründet es Korthäuer.

Sowohl im Ausland – hier deutlich – als auch im Inland planen die meisten Unternehmen, weniger zu investieren. „Diese anhaltende Investitionsschwäche, die im Ruhrgebiet besonders ausgeprägt ist, belastet die Konjunktur sehr“, mahnt Korthäuer. Deswegen müssten die Investitionsbedingungen am Standort Ruhrgebiet deutlich verbessert werden und dabei setze er vor allem auf die neue Ruhr-Konferenz.

Von der Konferenz erwarten sich die Unternehmer entscheidende Impulse für die Städte Duisburg, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen. Neben Investitionen in die Infrastruktur und in flächendeckendes schnelles Internet steht dabei das Thema Innovation an vorderster Stelle. „Wir brauchen hier eine bessere Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft, damit mehr Spitzentechnologie in unsere Betriebe kommt“, so Korthäuer. Grundlage für den Erfolg der Ruhr-Konferenz sei aber ein Neustart bei den Kommunalfinanzen. „Die Verschuldung der Städte und die bundesweit höchsten Steuer- und Abgabesätze liegen wie Mehltau über unserem Wirtschaftsstandort“, ist Korthäuer überzeugt. Es gehe der Wirtschaft nicht um niedrigste Steuersätze, sondern um Größenordnungen, die die Unternehmen nicht gegenüber anderen Regionen derart benachteiligen.

Besonders erfreuliche Werte liefert die aktuelle Konjunkturumfrage bei den Prognosen für den Arbeitsmarkt: Über 85 % bzw. über 90 % Positivmeldungen bei Beschäftigungs- und Ausbildungsprognosen sind hervorragende Werte. „Bewerber, besonders Jugendliche für eine Ausbildung, haben weiterhin beste Aussichten auf einen sicheren Job.“ Korthäuer beleuchtet aber auch die Kehrseite, denn die Unternehmen berichten von einem immer größer werdenden Fachkräftebedarf. Gerade für naturwissenschaftliche und technische Berufe werde händeringend Nachwuchs gesucht. Der Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, Wolfgang Schmitz, ergänzt deshalb: „Es muss immer und immer wieder betont werden, dass gerade die duale Ausbildung ungeheure Chancen für junge Leute bietet.“ Die Verdienstmöglichkeiten, zum Beispiel in der Metall- und Elektroindustrie, seien sehr gut. „Und eine berufliche Ausbildung kann zudem eine exzellente Ausgangsbasis sein für weitere Qualifikationen, wie zum Beispiel ein Studium“, sagt Schmitz.

Abschließend betont Dr. Marcus Korthäuer: „Wir erwarten 2019 zwar eine Aufschwung-Pause. Der Rückfall in eine ‚Normalkonjunktur’ bedeutet aber alles andere als Krise. Trotzdem zeigen die Ergebnisse, dass die Unternehmen feine Antennen für die Weltlage haben und dass wir uns in Deutschland und in der Region nicht vom allgemein nachlassenden Dynamiktrend abkoppeln können.“ An die Bundesregierung appelliert Wolfgang Schmitz angesichts dieser Prognosen, die bisherige kostenträchtige Umverteilungspolitik zu stoppen. „Wenn Kosten auf die Unternehmen abgewälzt werden und die Bürokratisierungslasten steigen, ist das in Zeiten der Hochkonjunktur mindestens lästig und wettbewerbsbeeinträchtigend. Bei nachlassender Konjunktur beschleunigen sie aber Standortnachteile gegenüber dem internationalen Wettbewerb und werden damit zum Katalysator für weiter nachlassende Geschäfte.“

Dr. Marcus Korthäuer, Vorstandsvorsitzender der Unternehmerverbandsgruppe (Foto: Unternehmerverband)
Geschäftslage von Gesamtwirtschaft (schwarz) und der Metall- und Elektroindustrie (blau) in der langfristigen Betrachtung. (Grafik: arbeitgeber ruhr)
Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes (Foto: Unternehmerverband)

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