„Brauchen Initiative für die duale Ausbildung“

Unternehmerverband appelliert an unversorgte Jugendliche, aber auch an Politik

Zahlreiche offene Lehrstellen und noch mehr unversorgte Jugendliche, die eigentlich ins Berufsleben starten könnten – wie passt das zusammen? „Die Ausbildungssituation gestaltet sich schwierig“, sagt Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes. In Nordrhein-Westfalen haben zu Beginn des Ausbildungsjahres laut Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit rund 55.000 junge Leute keinen Ausbildungsplatz gefunden. Dem gegenüber stehen noch rund 45.000 unbesetzte Lehrstellen, wobei man berücksichtigen muss, dass viele Betriebe ihre offenen Stellen gar nicht der Bundesagentur für Arbeit melden.

„Viele Schüler glänzen nicht durch gute Noten, aber in der Praxis“, richtet Schmitz das Wort an die Betriebe in der Region. „Es kann sich lohnen, auch Schülern mit vermeintlich schwächeren Leistungen eine Chance zu geben.“ Es gäbe aber in jedem Unternehmen Mindestanforderungen. Aber auch die Jugendlichen seien in der Pflicht: „Querdenken, über den Tellerrand hinausschauen, vielleicht nicht den Wunschberuf erlernen, aber eine gute Alternative“, ermuntert Schmitz die unversorgten Bewerber.

Angesichts der schwierigen Lage auf dem Ausbildungsmarkt sei es aber auch grundsätzlich wichtig, sich Gedanken über die Zukunft der Ausbildung zu machen. „Wir brauchen eine Initiative für die duale Ausbildung. Die Vorteile müssen für die Jugendlichen stärker in den Fokus rücken“, so Schmitz. Für „mehr Meister statt Master“ warb jüngst die FDP. „Junge Leute dürfen sich nicht rein aus finanziellen Gründen gegen eine Berufsausbildung entscheiden“, gibt Schmitz zu bedenken. Ein höheres Meister-BAfög, das die Startbedingungen für nichtakademische Fachkräfte verbessere, gehe in diese Richtung.

Dass der weit überwiegende Teil der Auszubildenden – rund 70 Prozent – laut aktuellem Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit der Arbeitssituation zufrieden sei, sei ein gutes Argument pro Ausbildung. Als Chance für die ausbildenden Unternehmen sieht Schmitz zudem den digitalen Wandel. „Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt rasant. Prozesse werden effizienter, und es entstehen neue Geschäftsmodelle – dafür brauchen wir die nötigen Fachkräfte. “Die Ausbildung müsse angemessen umgestaltet werden, damit die Auszubildenden die nötigen digitalen Kompetenzen bereits von Anfang an erwerben.

Zudem müssten Jugendliche systematisch bereits in Schule Einblicke in die betriebliche Praxis erhalten. Das neue Übergangssystem Schule – Beruf NRW (Kein Abschluss ohne Anschluss) müsse dafür noch viel konsequenter umgesetzt werden und den Lehrern dafür von der Politik mehr Zeit und Weiterbildungen eingeräumt werden. Viele Angebote der Unternehmen und Unternehmerverbände, Schülern und Lehrern konkrete Einblicke in Ausbildung und Berufswelt zu geben, blieben aus Zeitmangel ungenutzt. Schmitz fordert, für die Qualität der Lehre kräftig die Werbetrommel zu rühren: „Ausbildung hat Zukunft – das muss das Motto sein.“

Der Unternehmerverband wünscht sich eine Initiative für die duale Ausbildung, um die Vorteile für die Jugendlichen stärker in den Fokus zu rücken. (Foto: iStock)

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