
Die „Fläche“ hat viel Tiefgang bekommen. In der Vergangenheit nicht selten als zu schwerfällig gescholten, zu kostspielig und zu wenig die jeweilige Situation der Betriebe berücksichtigend, ist sie inzwischen mit all ihren Instrumenten ein Garant für Unternehmenserfolg und Krisenbewältigung. Mit dem Tarifvertrag „Zukunft in Arbeit“ wurde 2010 nicht nur die Belastung für die Unternehmen begrenzt und zugleich zu Gunsten der Planungssicherheit über eine lange Laufzeit verteilt. Auch dieser Vertrag enthält differenzierende Elemente für firmenindividuelle Anpassungen. Das Paket zur Jobsicherung erlaubt die Absenkung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Wochenstunden, drückt die Kosten der neuen tariflichen Kurzarbeit und sichert Beschäftigung. Letzteres ist gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des Facharbeitermangels von großer Bedeutung. Unser Tarifvertrag Arbeitnehmerüberlassung bietet Unternehmen mit unterschiedlicher Auftragslage die Möglichkeit, Arbeitskräfte unbürokratisch untereinander auszuleihen.
Ein weiteres Instrument stellen flexible Arbeitszeitkonten dar. So wird der Personaleinsatz an schwankende Auftragslagen angepasst. Dabei wird nicht nur das „Guthaben“ auf den Zeitkonten abgeschmolzen – wenn es nicht anders geht, können die Konten sogar ins Minus gefahren werden. Und falls der Ausgleichszeitraum nicht eingehalten werden kann, erlaubt unser M+E-Tarifvertrag die Fristverlängerung. Hinzu kommt die Möglichkeit, über- oder außertarifliche Zulagen mit den tariflichen Entgelterhöhungen verrechnen zu können. Das gilt vor allem im ERA-Bereich, wo die alten Lohn- und Gehaltsstrukturen der Arbeiter und Angestellten an das neue ERA-Niveau herangeführt werden.
Doch auch all diese Stellschrauben gelangen mitunter an ihre Grenzen und können die Überlebensfähigkeit eines Unternehmens allein nicht gewährleisten. Deshalb darf in Ergänzungstarifverträgen mit der Gewerkschaft eine befristete Abweichung vom Flächentarifvertrag vereinbart werden – entweder von den Unternehmen selbst oder vom Arbeitgeberverband für die Unternehmen.
Wim Abbing, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmerverbands der Metall- und Elektroindustrie Ruhr-Niederrhein, hat den M+E-Tarifabschluss in NRW überwiegend positiv bewertet: „Die Tarifvertragsparteien haben gezeigt, dass sie in dieser außergewöhnlichen Krisensituation verantwortungsvoll handeln können. So konnte ohne die sonst üblichen Rituale von Tarifverhandlungen deutlich vor Ablauf des aktuellen Vertrags ein meines Erachtens insgesamt akzeptables Ergebnis erzielt werden.“ Dies, so der geschäftsführende Gesellschafter der PROBAT-Werke in Emmerich, des Weltmarktführers für Kaffeeröstmaschinen, gelte vor allem für den Tarifvertrag „Zukunft in Arbeit“ (ZiA). Dieser Bestandteil der in der Nacht zum Donnerstag geschlossenen Vereinbarung könne „jene Betriebe, die unterhalb ihrer Kapazität ausgelastet sind, deutlich entlasten“. Abbing weiter: „Damit sind wir dem Ziel einer möglichst weitgehenden Sicherung der Arbeitsplätze sehr nahe gekommen“.
Beim Tarifvertrag ZiA werden die Kosten der Kurzarbeit für die Unternehmen gesenkt. Zum einen fallen tarifliche Sonderzahlungen damit in den Geltungsbereich des Kurzarbeitergeldes, zum anderen kann die Arbeitszeit nach Auslaufen der gesetzlichen Kurzarbeit mit einem entsprechenden Teilentgeltausgleich auf bis zu 26 Stunden abgesenkt werden. Ein weiteres positives Element sieht Abbing in der langen Laufzeit des Tarifvertrages von zwei Jahren: „Damit erhalten die Betriebe Planungssicherheit über das sehr ungewisse Jahr 2010 hinaus“. Eine „bittere Pille“ stellt aber aus Sicht des Vorstandsvorsitzenden die „aus heutiger Sicht relativ hohe Gehaltserhöhung“ zum 1. April 2011 dar. Zusammen mit den Einmalzahlungen im Jahr 2010 sei „die Grenze der Leistungsfähigkeit der Metall- und Elektroindustrie in NRW erreicht“. Laut Abbing haben die Unternehmen im vorigen Jahr zwischen 25 und 80 Prozent ihres Auftrags- und Umsatzvolumens eingebüßt. Die Tarifpartner haben vereinbart, dass im Jahr 2010 eine Einmalzahlung von 320 Euro geleistet wird. Im nächsten Frühjahr werden die Entgelte um 2,7 Prozent für zwölf Monate bis zum 31. März 2012 erhöht. Dabei kann der Beginn der Erhöhung um zwei Monate nach hinten verschoben bzw. vorgezogen werden.
Der Verband der Metall- und Elektro-Industrie Nordrhein-Westfalen (METALL NRW), zu dem auch unser Metallverband gehört, hat gemeinsam mit der IG Metall NRW den Tarifvertrag „Zukunft in Bildung“ abgeschlossen. Dies war bereits in einer Verhandlungsverpflichtung im Rahmen des M+E Pilotabschlusses vom 18. Februar 2010 so vereinbart worden. Der neue TV ZIB gibt Ausgebildeten ab dem 1. August 2010 die Möglichkeit Arbeit und Qualifikation zu verbinden, indem zwei Jahre lang Einkommen angespart und im dritten Jahr eine Bildungsmaßnahme absolviert wird. Die Vereinbarung ist für beide Seiten freiwillig und gilt nur für Auszubildende, die nach der Ausbildung für mindestens zwölf Monate vom Arbeitgeber übernommen werden. Weitere Informationen enthält der Tarifvertrag (pdf). |

Mit dem Tarifvertrag zur Förderung der Ausbildungsfähigkeit wird für viele Jugendliche ein neuer Weg in die Ausbildung erschlossen. Er fördert, Jugendliche nach Beendigung ihrer Vollzeitschulpflicht, die sonst kaum Chancen auf einen Ausbildungsplatz hätten.
Durch den Fördervertrag kommen Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden können, direkt nach der Schule in ein Unternehmen. Sie erhalten die Chance, notwendige Schlüsselqualifikationen zu erlernen. Nach einer erfolgreichen Fördermaßnahme schließt nahtlos eine Berufsausbildung an.
Unternehmen, die eine Ausbildungsvorbereitungsphase nach dem TV FAF anbieten, reagieren rechtzeitig auf den demografischen Wandel mit rückläufigen Schulabgängerzahlen. Sie sichern so ihre zukünftigen Fachkräfte.
Weitere Informationen - auch ein Kurzfilm zum Thema - unter www.tvfaf.de
Das einheitliche Entgeltrahmenabkommen für Arbeiter und Angestellte (ERA) harmonisiert die Entgeltfindung – durch ein komplett neuartiges System der Arbeitsplatzeinstufung. Wir bieten dazu Informationen, Hilfsmittel und Schulungen an.
Ansprechpartner
Verbandsingenieur Nando Spitznas
Tel. 0203 99367-233, E-Mail: spitznas(at)unternehmerverband.org
Verbandsingenieur Jürgen Paschold
Tel. 0203 99367-133, E-Mail: paschold(at)unternehmerverband.org
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